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Neue jüdische Monatshefte · 1919-05-10 · Heft 15 (10.5.1919) · p. Seite 314

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 15 (10.5.1919)
Article
Probleme des modernen Judentums
Date
1919-05-10
Page
Seite 314 (sequence 7)
Language
German
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312 dem Einflüsse desjenigen Landes oder derjenigen Lander, woher man die .Kulturgüter bezieht. Der Primat des Oaluth wäre dadurch besiegelt Trotz alledem müssen wir rückblickend sagen, dass das von uns behandelte Buch zu den wertvollsten Produktionen der jüdischen Literatur gehört und möchten es den weitesten Leserkreisen am wärmsten empfehlen. * Israels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums " \ Von Geheimrat Prof. Dr. Ed. König ■*f? Y3^r Hebeln, durch welche die moderne Wissenschaft auf ihre v\| Höhe emporgebracht worden ist, war die Anwendung der vergleichenden oder komparativen Methode zweifellos einer der mächtigsten. In besonders glänzender Weis? hat sich dies auf dem Gebiete der Sprachwissenschaft, dem die Hälfte meiner Lebensarbeit gewidmet gewesen ist, gezeigt. Denn wie grossartig ist die moderne Sprachwissenschaft dann zur Entfaltung gelangt, als hauptsächlich Franz Bopp (in Berlin) das vergleichende S'tudium des Sanskrit und damit die komparative Grammatik der indogermanischen Sprachen begründet hatte! Ja, wir dürfen auf die vergleichende Methode stolz sein. Aber eben deshalb. stellt sich leicht die Besorgnis ein, dass der Glanz dieser Errungenschaft durch Schatten- Y/ellen getrübt werden könne, und kann es nicht als unmotiviert angesehen werden, wenn vor einer Gefahr gewarnt wird, die bei der Anwendung der erwähnten Methode leicht entstehen kann. Denn mag es auch ein zum Teil unlösbares psychologisches Rätsel sein, so ist es jedenfalls eine Tatsache,, dass der Blick des vergleichenden Forschers gern vorwiegend auf den übereinstimmenden Charakterzügen der verglichenen Erscheinungen ruht und leicht es unterLässt, auch ihre Verschiedenheiten mit eben demselben Interesse zu würdigen. WJieviel Einseitigkeit des Urteils über den Grad der Zusammenstimmung und der Selbständigkeit der verglichenen Erscheinungen aus dieser Neigung des vergleichenden Auges erwachsen muss, braucht nicht erst ausgeführt zu werden. Jedenfalls gibt es aber vielleicht keinen, zeitgeinässeren Fall, an dem die Notwendigkeit, vor den Gefahren, die aus dem unvorsichtigen Gebrauche der vergleichenden Methode erwachsen können, zu warnen, deutlicher aufgezeigt werden kann, als das Urteil, das neuerdings von der „vergleichenden0 Wissenschaft über die Kultur des Volkes Israels ausgesprochen zu werden pflegt. Denn mit den vielen, die deren Leistungen herabzusetzen streben, wetteifern andere viele, die nicht genug den Selbständigkeitsgrad dieser , Kultur vermindern zu müssen meinen. Oder ertönen nicht immer neue Stimmen, welche besonders an der israelitischen Kultur ihr Babyionisierungsstreben geltend machen wollen? Deshalb ist es gewiss eine wichtige Aufgabe, gerade in bezug auf die Erforschung von Jsraels Stellung in der Kulturgeschichte des Altertums die leicht eintretenden Verirrutagen der komparativen .Forschungsmethode zu beleuchten. Sei es mir also gestattet, der Lösung dieser Aufgabe die folgenden Blätter zu widmen S, Das allein richtige Verfahren wird bei dieser Untersuchung dieses sein, zuerst das tatsächliche Material in bezug auf die Gleichheit von Be-

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