Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Sozialisierung in Palästina
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 244 (sequence 2)
- Language
- German
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242 st eilende) kaum geneigt sein, sich auf ein radikal-sozialistisches Prinzip zu versteifen. Die Poale-Zion freilich, als Marxisten von echtestem Schrot und Korn — zu ihnen, die. sich entgegen ihrem ursprünglichen Standpunkt seit dem letzten Allrussischen Sozialistenkongreß mit dem Bolschewismus' ausgesöhnt haben, tendiert offensichtlich die Mehrzahl der Anhängerschaft der durch die neuen politischen Entwicklungen richtungslos Gewordenen S. S. und der „Autonomistenu — ist die Vergesellschaftung eins und alles. „Die Vergesellschaftung der Produkt/ r.smittel und der Errichtung der Gesellschaft auf sozialistischer Grundlage durch den Klassenkampf des jüdischen Proletariats in den Reihen der internationalen Sozialdemokratie" steht an erster Stelle ihres Programms. (An zweiter: „Territoriale Autonomie für das jüdische Volk in Palästina auf demokratischer Grundlage als notwendige Bedingung einer normalen ungestörten Entwicklung seiner Produktivkräfte"; an letzter: „Nationalpolitische Autonomie für die Juden in allen Ländern, wo sie eine Minderheit bilden41.) Indessen, zur Sozialisierungsforderung haben sich auf dem Berliner Delegiertentag wie auch auf der amerikanischen Zionistenkonferenz auch solche laut und mit Nachdruck bekannt, die auf das „Erfurter Programm" eben nicht schwören; in Amerika durfte sogar das jiddsche Parteiorgan der Poale-Zion, der „Jüdisch* Kämpfer" mit Kccht die Schale seines Spottes über die gutbürgerlichen und kapitalistischen Beschiußfasser ausgießen, die in Palästina den Sozialismus verwirklichen, in ihren eigenen Betrichen aber wegen einer Lohnerhöhung von 10 Cent Zeter und Mordio schreien. Gegen derartige Spottsucht sind indessen unsere wackeren Vergesellschafter hüben und drüben gefeit. Sie dürfen mit Recht auf 'die wachsende Zahl ihrer Anhängerschaft hinweisen; die „Nationalisierung" des Bodens auf Grundlage der Erbpacht ist ja bereits zu einem zionistischen „Comuion sense" geworden, den auch der englische Zionistenf(ihrer Weizmann in Miner am 7. Dezember 1918 in London gehaltenen hochpolitischen Rede als einen der Hauptpunkte des nationalen Programms hinstellte. Die Pittsburger wie die Berliner Palästinasozialisten werden vor dem Forum des nächsten Zionistenkongresses ihre Sozialisierungsforderung mit gesteigerter Kraft zu vertreten wissen; diesmal durch den ganzen Heerbann der zionistischen Sozialisten aufs wirksamste und lungenkräftigste unterstützt. Es erscheint durchaus nicht ausgeschlossen; daß der Beschluß von Pittsburg auch auf dem Kongreß, auf dem unsere Gesinnungsgenossen jenseits des großen Teiches ohnehin Herren der Situation sein werden, durchgedrückt wird. Es ist hier nicht der Ort, uns in eine eingehende Erörterung des Vergesellschaftungsproblems einzulassen. Es ist nicht schwer, den Vertretern eines Agrarmarxismus in Palästina, falls sie objektiven Gedankengängen überhaupt noch zugänglich sind, zum Bewußtsein zu bringen, daß dieser Agrarsozialismus beruhend auf der Gleichstellung der Ur- und umformenden Produktion hinsichtlich der Entwicklungstendenz, längst als hinfällig erkannt worden ist. Die fortschreitende Konzentrationstendenz, die Marx nicht allein für die industrielle, son- J dem auch für die landwirtschaftliche Entwicklung gelten läßt, ist