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Neue jüdische Monatshefte · 1919-02-10 · Heft 9-12 (10.2.1919) · p. Seite 233

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 9-12 (10.2.1919)
Article
Hermann Cohen und das nationale Judentum
Date
1919-02-10
Page
Seite 233 (sequence 1)
Language
German
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231 Hermann Cohen und das nationale Judentum *Von Dr. M. G l 0 ck s'o n *). st die gesamte Welt der Wissenschaft Cohen zu Dank verpflichtet für seine Erneuerung der Philosophie und deren Zugrundelegung in allen Gebieten der modernen Forschung,, so hat er uns Juden noch mehr gegeben: in der Geschichte der nouoren Philosophie ist Cohen der erste jüdische Philosoph im besten Sinne des Wortes. Vor ihm hatten wir bloß Juden-Philosophen, einen jüdischen Philosophen über nicht. Das Judentum jener war bloß Zufall — unangenehmer Zufall für die einen, indifferenter Zufall für die anderen —. und selbst die besten unter ihnen, die in ihrem Herzen irgendein romantisches Verhältnis zur Vergangenheit bewahrten, empfanden nur in Augenblicken der Schwäche ein unklares Bedürfnis nach einem bißchen Judentum. Cohen ist der erste und einzige unter den jüdischen Philosophen, dem das Judentum ein gewichtiger Urgrund seines innersten Wesens ist. .Sein Judentum ist nicht bloß eine Vererbung oder ein psychologisches Nachwirken der Erziehung, sondern der Grundstein im Lehrgebäude seiner Ethik, in der Philosophie des Rechts und der Religion, wo er am originellsten Lst. Im vollen wissenschaftlichen Bewußtsein macht Cohen die Lehre des Judentums zum Ausgangspunkt der Moral- und Religionslehre. Das Judentum ist nicht darauf angewiesen, daß man es mit der Philosophie „versöhne", sondern bildet selbst ein geläutertes philosophisches Erkenntnis, eine abgerundete philosophische Weltbetrachtung. Ewiges Verdienst des Judentums bleibt die absolute Geistigkeit und Einzigkeit seines göttlichen G e d a n k e n s. Diese absolute Geistigkeit ist der Grund seines moralischen I d e a 1 i s in u s. Die Religion hat nur insofern Interesse für die Wesensart Gottes, als diese Wesensart für die Sittlichkeit von Wert ist. Die Wesensart Gottes offenbart sich in seinen Attributen. Alle, dreizehn Attribute bezeichnen Liebe und Gerechtigkeit, und der Mensch hat sich' diese Attribute anzueignen. Jede Mystik in bezug auf die Wesensart Gottes außerhalb der Moral wird abgelehnt, weil sie den Begriff der absoluten Einzigkeit gefährdet. Daher der grundsätzliche Unterschied zwischen der jüdischen religiösen Ekstase und derjenigen in anderen Religionen. Die Mystik des Pantheismus oder Christentums läßt Raum für eine Anhänglichkeit an Gott als an ein Wesen, das irgendwie dem Menschen oder der Natur bewogen ist was bei dem Judentum ausgeschlossen ist. Wer es gesellen und erlebt hat, mit was für hoher Ekstase der Jude im Neilagebct des Joam-Kipur ausruft: „Höre Israel, der Herr unser Gott ist der einzige Herr", der begreift, was für Wert der Jude dieser Grundauffassung der absoluten Einzigkeit Gottes beimißt Diese Auffassung läßt keinen Raum für einen Vermittler zwischen Gott und *) Am + April 1918 starb Hermann Cohen. Wir bringen den nachfolgenden Aulsatz, der im Original „Hermann Cohen «um 70 Geburtstag« (Jiaolam", hebräisch 1912 Nr. 13/14) nur die zweite Hälfte bildet, in der das Verhältnis Cohens zum nationalen Judentum dargelegt ist. Die Ked.

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