Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 9-12 (10.2.1919)
- Article
- Das Werk Moses und seine Geschichte
- Date
- 1919-02-10
- Page
- Seite 221 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2908689-2908735-2908742-2911639--2313-2911697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
219 / einige Gott forderte von seinen Bekennern Früchte innerer Gerechtigkeit, ein reines Herz und reine Hände. Diese prophetische Forderung ist nie vergessen worden, wenn auch über der peinlichen Beobachtung des Gesetzes und dem Lohnstreben das Schwerere des Gesetzes Gottes, die sittliche Gesinnung in allen religiösen Lebensäußerungen, oft dahinten bleiben mußte. Diese starken religiösen Kräfte haben den jüdischen Gpttesglauben über alle äußeren und inneren Gefahren in den Jahrhunderten nach Ezechiel hinweggetragen. Sie haben ihm auch in dem schweren Kampfe mit dem jungen Christentum, in dessen Mystik und enthusiastischer Jenseitsstimmung andere Urkräfte des religiösen Lebens durchbrachen, Bestand verliehen. In ihrer Bewahrung und Reinerhaltung liegt die Garantie für den Eigenwert der jüdischen Religion innerhalb des Ganzen der monotheistischen Weltreligionen. Aus der Sprachgeschichte der Juden Von Heinrich Loewe, Berlin*). Xf^/X^Zir sind gewöhnt, Völker an ihrer Sprache zu erkennen. Wer ^yK^w^I deutsch spricht, ist ein Deutscher, und wer polnisch spricht, ©Y^sVO ein Pole. Ganz trifft das nic^t zu. Denn es gibt Negervölker, die französisch sprechen, wie die Bevölkerung von Haiti und San Domingo, und doch keine Franzosen sind. Es gibt Millionen von Schwarzen, deren Muttersprache das Englische ist. Aber jedermann wird sich hüten, in ihnen Engländer oder Yankees zu sehen. Wir kennen zu gut die Gründe der Sprachübertragung und wir schließen deshalb in diesen Fällen nicht aus der Sprache auf die Nationalität. Ganz ähnlich ist es mit den Juden der Fall. Sie sind heute so gut eine Nation, wie sio es vor Jahrhunderten und Jahrtausenden waren, wenngleich sie heute das Hebräische nicht als ihre nationale Sprache sprechen, noch überhaupt alle Juden die gleiche Muttersprache reden. Wohl aber hat es einmal eine Zeit gegeben, in der die Vorfahren des heutigen jüdischen Volkes eine einheitliche Sprache gesprochen haben. Als ihre ersten Väter in das Land Kena'an einzogen, da fanden sie in ihm eine Bevölkerung vor, deren Sprache eben den Namen des Landes trug. Ob die einwandernden Hebräer ebenfalls kena'anäisch sprachen, bleibt dahingestellt. Darüber wird uns direkt nichts überliefert. Wohl aber dürfen wir annehmen, daß sie jedenfalls einen semitischen Dialekt redeten, der der Sprache des Landes sehr nahe stand, in das sie eindrangen.' Man hat sie gemeinhin für die letzte Welle der kena'anäischen Völkerwanderung angesehen. Wenn wir eher geneigt sind, sie als den ersten Stoß der aramäischen Völkerwoge anzusehen, so ändert das sehr wenig, da beide Volksgruppen einander sehr nahestehen und beide Folgen von Stammeszügen zu derselben stetigen Völkerwanderung gehörten. Abraham kommt aus dem Zweistromlande, *) Nach einer Vorlesung des Verfassers an der Freien Jüdischen Volkshochschule zu Berlin im Rahmen seines Kursus über Jüdische Volkskunde.