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Neue jüdische Monatshefte · 1918-12-25 · Heft 6 (25.12.1918) · p. Seite 133

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 6 (25.12.1918)
Article
Die sozialen Lehren der deutschen Revolution für den Neuaufbau Palästinas
Date
1918-12-25
Page
Seite 133 (sequence 2)
Language
German
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131 Sonst hat man lediglich der Wohnungsfrage einige Beachtung geschenkt. Denn die Forderung einer Gemeinschaft^ die von der Idee der sozialen Gerechtigkeit bestimmt ist, ist zwar durchaus begründet, aber eine Forderung, eine Idee, die leicht zur Ideologie werden kann, wenn sie keine Verbindung sncht mit dem realen Tatbestand eines Wirtschaftsaufbaues in einem bislang industriell fast unerschlossenen Lande. Welches werden nun diese Formen sein? Vielleicht ist es der deutschen Revolution beschieden, uns Bausteine für die Beantwortung dieses Problems zu schaffen. Die deutsche Revolution hat politisch begonnen; aber den Kern, den Kampfpunkt werden die wirtschaftlichen Fragen bilden; sogar das Programm der Konservativen findet sich zurzeit mit der republikanischen Staatsform aö. Die Frage der Sozialisierung scheidet die Geister. Zu einer ganz außerordentlich verstärkten staatlichen Monopolbildung wird man auf jeden Fall schreiten müssen. Als reif zu solchen Monopolen — an dieser Stelle ist eine nähere Untersuchung naturgemäß nicht möglich — werden unter anderem Elektrizität, Petroleum, Zucker, Spiritus, Kohle, Eisen, Kali, chemische Produkte, Versicherungswesen genannt. Wir können heute noch nicht voraussehen, ob die Übernahme dieser Produkte in den Staatsbetrieb von segensreichen Folgen begleitet sein wird. Sollte die» nicht der Fall sein — dies sei von vornherein prinzipiell bemerkt! —, so darf keinesfalls aus diesem Tatbestand ein absoluter Schluß etwa für die palästinensische Wirtschaft gezogen werden. Denn die Verhältnisse in Deutschland liegen für eine soziale Umwälzung sehr ungünstig. Das deutsche Volk hat durch den Krieg ökonomisch ganz außerordentlich gelitten und die Entschädigungsansprüche Frankreichs und Belgiens werden die wirtschaftlichen Nöte noch stark erhöhen; das Land ist von allen Rohstoffen entblößt, die Maschinen sind abgenutzt. Die Umwälzung hat mit Arbeiterkreisen zu rechnen, die jahrelangjeder wirtschaftlich produktiven Arbeit entfremdet waren, mit Arbeitgebern, für die der Privatkapitalismus eine von den Vätern ererbte Tradition ist, das allein seligmachendo Prinzip bedeutet. Für Palästina fallen diese ungünstigen Faktoren weg. In Palästina ist das jüdische Wirtschaftsleben noch derartig unentwickelt, daß man von einer festen Tradition nicht sprechen kann, die erst beseitigt werden müßte. Insbesondere war. von einer Industrie — wenn man mit europäischem Maßstab mißt — kaum etwas zu merken. Zum Wiederaufbau der Kriegsschäden sind im Gegensatz zu Deutschland auch verhältnismäßig nur sehr geringe Mittel notwendig. Die Kapitalien, die ins Land fließen, werden vielmehr zur Ausnutzung alUnwirtschaftlichen Möglichkeiten verwandt werden. Dazu kommt, daß wir in Palästina auch mit einem ganz anderen Menschenmaterial zu rechnen haben, Die Juden, die in den ersten Jahrzehnten in Palästina einwandern, gehen nicht nur aus wirtschaftlichen Motiven in das Land ihrer Väter. Bis auf vereinzelte Ausnahmen sind außerökonomische Faktoren mitbestimmend, die den Gedanken an das wirtschaftliche Weiterkommen in die zweite Reihe verweisen. Diese Ge-

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