Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Was ist Chanukkah?
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 110 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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regung, niemand ist [so unduldsam wiö ein reuiger Sünder. Und weiJ ihm jede Nachsicht fremd ist, wird er von allen gemieden, und niemand will mit ihm etwas zu tun haben.14 „Es würde sieli aber gar nicht lohnen," fuhr Schmuel fort, „jene Ohrfeige zu erwähnen, wenn sie in mir nicht die große Veränderung verursacht und mich nicht auf neues Gedanken gebracht hätte." „Laßt doch euren Streit für ein anderes Mal," mischten sich die anderen Gäste ein, „und erzählt die Geschichte schneller zu Ende." „Kurz, die Ohrfeige, die ich damals vom Vater bekam, blieb nicht ohne Wirkung. Das ganze Gespräch über Chanukkah, der Zorn des Vaters und die unerwartete Ohrfeige, — alles prägte sich tief in meinem Gedächtnisse ein und machte es, daß ich mich seit meiner frühesten Kindheit unausgesetzt mit der Frage beschäftigte: ,Was ist Chanukkah?* Anfangs wußte ich nur, wie alle Jungen, daß man am Chanukkah ins Morgengebet den Absatz ,A1 hanissim4 einfügt und daß darin folgendes steht: ,In den Tagen des Mattathias, des Sohnes Jochanans, des Hasmonäers und seiner Söhne, der Priester, erhob sich das böse Reich Jowon gegen das Volk Israel, um es zu zwingen, der heiligen Thora untreu zu werden. Und der Heilige, gepriesen sei Er. tat ein Wunder und überlieferte die Starken in die Hände der Schwachen, die Bösen in die Hände der Frommen, die Mutwilligen in die Hände der Thoratreuen. Dann säuberte man den Tempel, zündete Lichter an und führte die acht Tage von Chanukkah ein.4 Dieses legte ich mir 80 aus: die Starken sind die Jewanim, die Schwachen aber — Mattathias mit seinen Söhnea und die übrigen frommen Juden, die Bet- und Lernbrüder, wie die heutigen Melamdim und Rabbiner, die den ganzen Tag im Bejßmedresch hocken und die Tjiora studieren. Die Gegenpartei zog in den Kampf wohl mit Waffen und Streitrossen, wir aber mit Buße, Gebet und milden Werken. Daß es aber einen Judas Makkabäer und seine Brüder gegeben hat, und daß sie tapfere Helden gewesen, das hatte ich dajnals natürlich noch nicht gewußt, denn mein Melamed erzählte mir davon niemals ein Wort. Und als ich später hörte, wie bei uns zu Hause wieder einmal die. Frage ,Was ist Chanukkah?4 erörtert wurde, sagte ich mir, daß die Geschichte, die im Gebet ,A1 hanissim4 erzählt wird, nicht ganz klar ist und die Frage jedenfalls nicht erschöpft. Die Geschichte von dem Krug öl, das für nur einen Tag reichen konnte und doch für acht Ta£e reichte, konnte ich unmöglich gelten lassen: wenn es sich wirklich so verhielt, so dauerto das Wunder doch nur sieben Tage und nicht acht; — warum feiern wir aber acht Tage? Und ich zerbrach mir solange den Kopf, bis mich der böse Trieb auf den Gedanken brachte, in Bücher über jüdische Geschichto hineinzuschauen. Da gingen mir erst die Augen auf, und ich fand Antwort auf meine Frage. Jetzt, meine Herren, jetzt weiß ich, was Chanukkah ist!4*