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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 108

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Was ist Chanukkah?
Date
1918-11-10
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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106 taufen lassen, den Geschmack für Jüdischkeit können wir niemals vergessen. Aber Menschen deines. Schlages, die sich niemals mit dem Dienst und der Lehre befaßten, reuige Sünder, die das Joch des Judentums von Kind auf nicht kannten, —'solche Menschen können niemals den richtigen Geschmack für einen jüdischen Brauel), für ein jüdisches Gesotz haben, und wenn sie noch so fromm und brav werden und alle Gebote mit der größten Inbrunst erfüllen.44 „Hör auf, Schmuel! So reden doch nur die alten Batlonim im Bejßmedresch hinter dem Ofen. Es ist leeres Geschwätz, ein Päsönnieren ohne Sinn und.Zweck. So etwas muß man doch erst beweisen.44 „Beweisen? Sehr gerne! Ich kann es mit zahllosen Beispielen und Tatsachen beweisen . . ,44 „Guten Abend! Guten Abend! Was seid ihr so aufgeregt, was ist'ß für sin Lärm? Ihr habt euch wohl so sehr in die Kartenwissenschaft vertieft, daß ihr gar nicht gehört habt, wie wir eingetreten sind. Wir haben euch ja schon zweimal guten Abend gesagt!44 „Gesegnet sei, der da kommt, Panje Todres, Panje Sorach, Panje Gimpel, Panje . . „Halt! Am Chanukkah gibt es keinen Panje, am Chanukkah ist es üblich, Heb Todres, Reb Gimpel usw. zu sagen.' Aber das ist Nebensache. Es interessiert uns bei weitem mehr, worüber Juden mit sodehem Eifer streiten. Vielleicht haben wir euch unterbrochen, lieb Schmuel? Laßt euch nicht stören. Und wenn es ein Geheimnis ist, so wollen wir ins Eßzimmer geben und der Hausfrau guten Tag sagen." „Gott behüte! Es sind gar keine Geheiumisse, womit wir uns hier befassen. Nehmt Platz, Juden, und hört zu. Ich fing eben zu erzählen an, was für ein Wunder mir aiy Chanukkah geschehen ist.44 „Gut! Erzählt,- erzählt, wir wollen gerne zuhören. Zieht es aber nicht allzusehr in die Länge. Heut ist ja Chanukkah auf der Welt, und Juden müssen Karten spielen, Jeder Augenblick ist einen Dukaten wert . . .44 „Die Geschichte ist gar nicht lang. Das Wichtigste steckt eigentlich nicht in der Geschichte selbst, sondern in den Folgen, die sie für mich später hatte. Darum ist es bei mir Sitte, sie alljährlich am Chanukkah zu erzählen. „Damals, — vielleicht ist es auch heute noch so —, damals gab es für die jüdischen Jungen, die vom frühen Morgen bis neun Uhr abends im Cheder wie die Hühner im Hühnerstall eingesperrt sind, keine schönere Zeit als die acht Tage von Chanukkah. Das ist doch wirklich keine Kleinigkeit! Der Unterricht fällt aus, man bekommt von Vater und Mutter, von Onkeln und Tanten, von Großvätern und Großmüttern Chanukkahgeld, man spielt, macht allerhand Tauschgeschäfte und fabriziert aus halben Kartoffeln Chanukkahflampen für den Vater, — kurz und gut, man lebt wie Gott in Odessa. Damals, ich kann mich noch gut erinnern, war ich am achten Chanukkahtagc in einer besonders gehobenen Stimmung. Die acht Chanukkahiichtchcn, die auf der Fensterbank neben der Türe brannten, erschienen mir als die Flammen de3 goldenen Leuchters im Heiligtume;-' die Dochte leuchteten und

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