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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 107

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Die jüdischen Kolonien des Gebel Garian
Date
1918-11-10
Page
Seite 107 (sequence 5)
Language
German
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105 hätte. Er wollte noch jemanden zurückschicken, um sie zu suchen, was ich dann einfach verbot. Wir mußten schnell reiten, um noch vor Anbruch der Dunkelheit wieder in Garian zu sein. Und nun kommt der versöhnende Schluß: Ich hatte in Tarhuna einige von den Geweben kaufen wollen, die Frauen hatten sich aber, wie ich schon sagte, scheu vor mir zurückgezogen, deshalb war es mir unmöglich gewesen. Als ich wieder nach Tripolis zurückgekehrt war und den ganzen Zwischenfall fast schon vergessen hatte, meldete mein Diener mir eines Abends zwei Männer „aus den Bergen'1, die mich durchaus sprechen wollten. Etwas erstaunt über diesen unerwarteten Besuch ließ ich sio eintreten. Es war der Sohn und Bruder des Rabbiners, die mir zum Dank für die zurückerstattete Thora-Rolle einige kleine aber wunderschön gewebte Stücke der schon erwähnten kunstvollen Gewebeart als Geschenk überbrachten. Sie sind mir ein liebes Andenken an den Gobel Garian und die jüdische Kolonie von Tarhuna geworden. Was ist Chanukkah? Von Mendele Mocher-Sforim. |in großes Wunder ist mir am Chanukkah geschehen." Warum sagst du ,mir*, Schmuel? Warum nicht ,uns'V Ist es denn nicht ebenso mein Wunder wie dein?u „Ja, lieber Ignatz, ein großes Wunder ist mir am Chanukkah geschehen, m i r und nicht dir!" „Geh einer und streite mit einem so alten Bejßmedresch-Judcnl Ihr seid ja der Ansicht, daß wir moderneji Juden gar keine Juden sind, und daß nur diejenigen, die die Bänke im Bejßmedresch herumdrücken, einen Vertrag mit dem Schöpfer der Welt, eine Art Privileg auf Jüdischkeit haben.44 „Das, was du da sagst, Ignatz, hat damit, was ich dir erzählen will, nicht das Geringste, zu tun. Auch ist heute nicht der richtige Tag für solche Streitigkeiten. Heute gibt es wichtigere Arbeit: Karten spielen, Latkes essen und sich mit seinen Freunden unterhalten. Dazu habe ich dich ja auch eingeladen, Bruder. Da aber die anderen Gäste noch nicht gekommen sind und du diese schwierige Frage berührt hast, muß ich dir eine erschöpfende Antwort geben. Versteh mich doch: wir alle, die Frommen und die Aufgeklärten, die Gottesfürchtigcn und die Freigeistigen sind Juden. Ich z. B. verbrachte meine ganze Kindheit in den ,Gezelten des Herrn4, in Chedarim und Jescliiwes, und du besuchtest diestädtische Volksschule und hattest gar keine Ahnung davon, was das ,Joch der Thöra' ist. Und doch sind wir alle beide Juden, Worin liegt aber der Unterschied? Bei mir sitzt die Jüdischkeit tief im Herzen, im Gehirn und in allen 248 Gliedern; unsereiner hat für jüdische Bräuche einen ganz eigenen Geschmack; uns liegt es in den Knochen, ganz gleich, ob wir uns dessen bewußt sind oder nicht. Und wenn wir auch vom Wege abirren, wenn wir uns sogar, Gott behüte,

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