Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Die jüdischen Kolonien des Gebel Garian
Date
1918-11-10
Page
Seite 103 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908739-2911423--2155-2911501
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

101 Die jüdischen Kolonien des Gebel Garian Ein zionistisches Experiment ohne Zionismus von Dr. E. Brandenburg, München. ßWßm.Jahre 1910 bereiste ich das Hinterland von Tripolis, haupt- WlßS sächlich das ca. 1000 m über Meeresspiegel gelegene Hoch- WlM§J platcau des Gebel Garian, um die dort wohnenden Troglodyten zu seilen und zu "studieren. Die Holzarmut dieser Gegenden hat ihre Bewohner einen sehr praktischen Ausweg finden lassen, um diesem Übelstand abzuhelfen: in den Boden, der aus einem sehr festen und zlihen Lehm besteht, der sich in den Fclsenmulden abgelagert hat, wird zuerst eine quadratförmige Grube von ca. 10 bis 15 m Seitenlänge und ca. 7 bis 10 m Tiefe mit senkrechten Wänden gegraben, die den Zentralhof der anzulegenden Behausung bildet. In diese Seitenwände werden dann vom Boden des Hofes aus Kammern ausgehölt, die meistens ca. 4 bis 5 m breit, 5 bis C m tief und 3 ra hoch sind. Die darüber liegende Lehmschicht von ca. 4 bis 7 m Dicke ist sowohl für Sommerhitze als auch Winterkälte ein gutes Isolierungsmittel, denn im Gebel Garian ist im Winter wegen seiner Höhe Schnee durchaus keine Seltenheit. Der Hof, der mit der Erdoberfläche durch einen sanft ansteigenden Tunnel verbunden ist, hat in seiner Mitte eine Senkgrube für die Abfälle und das Regenwasser. So gleicht ein solches „Gehöft'1, aus Hof mit 10 bis 12 herumgruppierten Kammern bestehend, einem modernen „versenkten Fort", man sieht es nicht eher, als bis man direkt am Rande des Hofes steht. Außerdem sind die Gehöfte zum Teil noch durch unterirdische Gänge miteinander verbunden, und Fluchtgänge sollen versteckt weit außerhalb der Niederlassung ins Freie führen, so daß ein solches Dorf mit Ausnahme der offenen Höfe fast einem riesigen Dachs- oder Fuchsbau zu vergleichen ist *). Derartige Niederlassungen gibt es außerdem noch in Matmata in Süd-Tunesien. Mich, als Archäologen resp. Ethnologen, mußte es natürlich außerordentlich interessieren, eine solche, seit langen Jahrhunderten in Höhlen lebende Bevölkerung und ihre Lebensweise kennen zu lernen. Die Schwierigkeiten, die ich überwinden mußte, um von den Behörden des damals Türkischen Tripolitanien die Erlaubnis zu dieser Reise zu bekommen, kann ich hier nicht schildern, die wissenschaftlichen Ergebnisse habe ich, wie in der Anmerkung schon gesagt, an der* angegebenen Stelle und außerdem in der Zeitschrift für Ethnologie veröffentlicht. Nach dieser kurzen Skizzierung der äußeren Verhältnisse kommen wir zu der uns hier mehr angehenden, der sozialen. Im Hauptort dieses Gebietes, in Garian, einer Höhenstadt von ca. 4000 Einwohnern, erfuhr ich, daß weiter südlich noch ältere j ü d is c h e Dö r f e r der gleichen *) Die Pläne und Abbildungen vom.Gebel Garian finden sich in meiner Arbeit „die Troglodyten des Gebel Garian" Orienial. Lifc. Ztg. 1011, Heft 1, Spalte 1 ff. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.