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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 98

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Die jüdische Frau und der Chassidismus
Date
1918-11-10
Page
Seite 98 (sequence 7)
Language
German
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96 Heiligen zu verkehren und gab ihr schließlich den Scheidebrief. Noch einmal verheiratete sie sich, und wiederum kam es zur Scheidung. So blieb die Heilige von Ludomir Jungfrau bis zum Tode. Allein schon nach ihrer ersten, obwohl fiktiven, Heirat wurde der Einfluß der Jungfrau von Ludomir geringer. Man kam zu ihr nicht mehr nach Wundertaten, sondern betrachtete sie lediglich als eine fromme Frau (Zaddjkis), die voll des „heiligen Geistes" (Ruach haqodesch) war — wie sich einer ihrer persönlichen Bekannten ausdrückte. In den letzten Jahren ihres Lebens siedelte die Jungfrau von Ludomir ins Heilige Land über. Der national-jüdische Jugendtag*) Von Dr. Aron Barth, Berlin. f||?Bom 6. bis 8. Oktober 1918 tagte in Berlin der erste national- Ü^JM jüdische Jugendtag. Er setzte sich zusammen aus Vertretern IsSH^P aller zionistischen und national-jüdischen Organisationen, insbesondere des K. I. V., des Blau-Weiß, des Hcr/lbundes, des Kartells zionistischer und national-jüdischer Jugendvereine, der jüdischen Turnerschaft, der zionistischen Mädchenklubs usw. Durch umfangreiche Vorarbeiten war ein Wahlsystem geschaffen worden, nach welchem die sämtlichen in Betracht kommenden Vereine Delegierte für die Tagung wählten und zwar in der Weise, daß insgesamt zirka 80 Delegierte die gesamten Verbände und Vereine vertraten. Um zunächst ein Bild des Verlaufs der Tagung zu geben, soll eine kurze Darstellung der Debatten gegeben werden. Die öffentliche Veranstaltung am Sonntag sollte zwei Referate, eins von Walter Moses und eins von Kurt Blumenfeld bringen. Moses dehnte seine-Ansprache jedoch zeitlich so aus, daß für Blumenfeld keine Zeit mehr übrig blieb. In seiner einleitenden Ansprache hatte Rosenblüth, der die Verhandlung durchweg leitete, betont, daß jeder Redner nur für sich selbst spreche und daß keine Rückschlüsse aus einzelnen Reden auf die Überzeugung der Gesamtheit vorgenommen werden dürften. Es zeigte sich im weiteren Verlauf, daß diese Einschränkung für das Moses'sche Referat unbedingt erforderlich war. Er gab eine Darstellung dessen, was er unter jüdischer Renaissance verstehe. Dabei lehnte er alles dasjenige ab, was bisher unter Judentum verstanden worden sei. Insbesondere das traditionelle Judentum, aber auch das Judentum, wie es der junge Zionismus verstanden habe, der vervHit habe, sich an den neuen jüdischen Schriftstellern zu orientieren. Was er demgegenüber positiv gab, war schwer herauszuschälen, denn es war nur ein Stimmungsbild des jungen jüdischen Wanderers, der sich zur jüdischen Gemeinschaft im Wandern mit Gleichgesinnten zu- *) Am Anschluß an die Darstellung von Herrn Prof. Dr. Heinrich •Loewe geben wir nunmehr eine Würdigung des Jugendtages von einem der Delegierten, der ja auf den Verlauf der Tagung einen starken Einfluß ausgeübt hat. D. Red.

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