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Neue jüdische Monatshefte · 1918-11-10 · Heft 3-5 (10.11.1918) · p. Seite 77

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 3-5 (10.11.1918)
Article
Das tätige Wesen
Date
1918-11-10
Page
Seite 77 (sequence 12)
Language
German
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75 lichkeit1) Totalitäten dar. Ihre Gemeinsamkeit ist die Religion: durch gleiche Intensität sind sie in den Seelen verankert, die ihnen gehorchen als dem Erhabensten ihres Daseins. Tritt die eine Wirklichkeit an die Stelle der anderen, so hat sich wohl die Verhaltungsweise des Subjekts geändert, nicht aber notwendig sein Wesen, wie wenn ein einzelner Mensch statt seiner bisherigen ästhetischen Einstellung gegenüber der Welt etwa die politische setzt. In beziig auf das Judentum sei also besonders betont, daß es seine Religiosität nie aufgegeben hat. Sie hat sich im Gegenteil durch Taten und Charaktere immer neu formuliert. Nur daß in der neuen Zeit die spezifischen^ Aufgaben nicht mehr auf gleichem Gebiete liegen wie in der biblischen: die jüdische Wirklichkeit ward eine andere. Die jetzige besteht in der sittlichen Vernunft; - ihre Aufgabe: die Vergeistigung der empirischen Welt. Sic begehrt für alle Völker die Gottesherrschaft, die sich manifestiert durch die beste Regelung der menschlichen Gesellschaft und die freie Entscheidung zur sittlichen Tat. Nichts liegt ihr ferner als Überredung und Verlockung, nichts näher als freiwilige Entschließung. In allen Bedrängnissen, den Nöten brutalster Gewalt hielt den Juden das Vertrauen zu diesem Geiste aufrecht. Seines Hoffens Ausdruck blieb oft das Gebet, das inbrünstige Anrufen Gottes. Nur daß man sich die Rettung nicht mehr durch ein übernatürliches Wunder dachte, sondern durch das Kommen des messianischen Reiches der Vernunft. Dieser Geist schuf die jüdischen Entschlüsse und Taten. .Ihn kündeten die Propheten und Christus. Aus ihm schöpften die Aufständischen ihre Kraft; die Makkabaer und der Bar Koch bah; der Jüngling Sabbatai Zewi, der sich als Messias ausgab und die Welt in heilige Ordnung bringen wollte. Doch auch die scheinbar matteren Werte der letzten Vergangenheit brennen von diesem Geist. Diejenigen, die die politische Gesinnung des deutschen Bürgers wachriefen und die öffentliche Angelegenheit als erste zum literarischen Thema machten, waren Börne und Heine. Ihr Anschluß an Frankreich entsprang dem wachen Instinkt des Juden, der seinen Vorteil in der Fortgeschrittenheit, Tätigkeit und Leidenschaft findet. Das gleiche wiederholt sich im Sozialismus Ton Marx und Lassalle. Nicht daß ihre Lehren jüdisch waren, doch ihre Gebärde; nicht ihr Programm, aber ihre Mission. Der Dualismus der Judenfre;e Von Dr. Elias Hurwicz, Berlin, er nahende historische Moment, der die Erfüllung der zweitausendjährigen Sehnsucht unsere* Volkes iach nationalstaatlicher Wiedergeburt im alten Heimatsiande erheißt, bringt mit sich nicht nur eine Lösung, sondern auch — mag o s noch so paradox klingen — eine neuartige" Spannung unserer natioi Jen Oaseinsproble- *) Nur diese beiden Wirklichkeiten lösen sich in de» loschichte der Juden ab; denn Mystik ist unwirklich, ein psychologischer A t Nur-lnnerlichkeit.

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