Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 3-5 (10.11.1918)
- Article
- Die Juden und der Friedenskongreß
- Date
- 1918-11-10
- Page
- Seite 65 (sequence 6)
- Language
- German
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63 paar jüdischen Schulen in ganz großen Städten, Denn' für die kleineren Städte und das fläche Land verbieten sich ja derartige Forderungen aus technischen Gründen ganz von selbst. Und wenn zu den bestehenden jüdischen Schulen noch ein paar hinzukämen, so ist zwar der Wert solcher Errungenschaften nicht sehr groß, weil die Zahl derer, die ihre Kinder in rein jüdische Schulen schicken werden, nach der ganzen Sachlage nicht groß sein kann, aber es können sich damit auch die Anhänger der Simultanschule abfinden. Wenn also der Frieden kommt, muß er ein Verständigungsfrieden werden, nicht; nur zwischen den Großmächten, sondern auch zwischen den Juden der verschiedenen Länder und nicht unter Ausschluß der deutschen. Dazu sind internationale Vorbesprechungen nötig, eine Art von kleinem jüdischen Friedenskongreß muß Zustandekommen und das deutsche Judentum muß sich darüber klar werden, daß die Vertreter dieser Forderungen nicht Personen sein können, auf die das Ausland nicht hört. Sonst wird das Schicksal des deutschen Judentums im kleinen genau so sein, wio das Deutschlands im großen gewesen ist. Es ist wahrscheinlich, daß man das jüdische Volk als beratenden Faktor auf der Friedenskonferenz zulassen wird. Also muß das deutsche Judentum schleunigst seine Stellungnahme klären. Die großen Verbände müssen sich darüber klar werden, daß der schicksalsschwere Augenblick sie nicht unvorbereitet treffen darf! Aber es geht nicht an, daß alles sich wieder in einer Notabeinversammlung hinter geschlossenen Türen abspielt. Der jüdischen Bevölkerung muß Gelegenheit gegeben werden, sich zu äußern und bestimmend mitzuwirken. Es müßte also ein Kongreß der Juden Deutschlands stattfinden, für den man Programme aufstellen könnte, wie das bereits die Zionistische Vereinigung für sich getan hat. Zweifelhaft ist nun allerdings, ob für eine so breit angelegte Veranstaltung Zeit bleibt. Vielleicht wird es nötig sein, schneller zu Entschließungen zu kommen, als es bisher den Anschein hatte, falls die Friedenskonferenz etwa schon in einigen Wochen zusammentritt. Als eine vorläufige Vertretung müßten dann alle bisher im öffentlichen jüdischen Leben tätig gewesenen Persönlichkeiten etwa von einer gemischten Kommission der Organisationen zu einer Tagung geladen werden, in der unter Fortfall der üblichen endlosen Referate Gelegenheit zu öffentlicher Diskussion bestände. , Ein dort gewählter Ausschuß müßte auch dafür sorgen, daß die deutschen Regierungsvertreter für die Friedenskonferenz einen sachverständigen Beirat erhalten, der sie in jüdischen Angelegenheiten berät. Und schließlich muß sich der gewählte Ausschuß mit den Vertretern des ausländischen Judentums dann in Verbindung setzen und rechtzeitig verständigen. Die Angelegenheit duldet keinen Aufschub'. Im Interesse der jüdischen Allgemeinheit wie in dem der deutschen Judenheit muß sofort gehandelt werden.'