Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 2 (25.10.1918)
- Article
- Das Donaureich und seine Juden
- Date
- 1918-10-25
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Personalunion ist ein Unding, wie die Erklärungen der Wortführer der ungarischen Slowaken, Rumänen und Croatcn beweisen. Anderseits fordern aber auch die tschechischen, ukrainischen, rumänischen und südslawischen Abgeordneten des österreichischen Abgeordnetenhauses immer ungestümer die Vereinigung mit ihren . Konnationalen jenseits der Leit a. Ihre Opposition gegen das Manifest rührte vorwiegend daher, weil dasselbe nicht nur das Donaureich, sondern auch alle seine Völker der magyarisch-oligarchischen Herrsch a f t sgelüste zuliebe dauernd in zwei Teile spaltet. Die magyarischen Chauvinisten sowie die nationalen Exaltados in den übrigen nationalen Lagern sind im Begriffe, für Europa durch ihr Streben nach zusammenhanglosen Kleinstaaten, falls sie deren F ö d e r a t ion ablehnen, ein neues Balkan-- chaos im vergrößerten Maße heraufzubeschwören. Ein gesteigerter Nationalitätenkampf, ein gesteigertes wirtschaftliches Elend und ein zunehmender Antisemitismus, ein Zündstoff für n$ue Kriege droht, wenn nicht die Bundesstaatsidee im ponaureiche durchdringt. * * * Die Situation, in welche aber die j u d e n hierdurch gebracht wurden, war die denkbar traurigste; sie würde der — der russischen Juden gleichen/in welche diese durch den Zerfall Rußlands gerieten. Nirgends noch als selbständige, gleichberechtigte Nationalität anerkannt, anderseits aber unter sämtlichen Reichsvölkern zerstreut,' als? eine unassimilierte Minorität wohnend, wird die Läge der Juden der Donaumonarchie in Zukunft bei seiner Spaltung.in national-territoriale Teilst aaten sich noch ungünstiger als bisher gestalten — wo sie unter dem zum Rassenantisemitigmus ausartenden Nationalitätenhorden litten —, wenn s i e i. nicht als gleichberechtigte Nationalität anerkannt werden und wenn nicht 2. durch einen Minoritätenschutz die Rechte der jüdischen Minorität wie das aller übrigen Minderheiten, durch die personelle Autonomie und durch ein P r o - p o r t i o « a 1 s y s t e m geschützt werden. Man gflaube ja nicht, daß die nationale Frage der Donaustaaten durch deren Auflösung in national-territorialevoneinander unabhängige — Gebilde gelöst sei, indem man über die Minderheiten allüberall zur Tagesordnung übergeht. Die national-territoriale Abgrenzung ist ja nur in wenigen Teilen restlos durchzuführen, kommt aber für die J u d en a 1 s ein Volk ohne Land gar nicht in Betracht. Unter solchen Umständen wird durch Schaffung von Kleinstaaten ohne föderativen Zusammenschluß und ohne Schutz der Minderheiten nur eine — Babylonie. geschaffen, die auch alle Völker, besonders die Juden, aufs schwerste in wirtschaftlicher Hinsicht schädigen wird.