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Neue jüdische Monatshefte · 1918-10-25 · Heft 2 (25.10.1918) · p. Seite 41

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 2 (25.10.1918)
Article
Das Donaureich und seine Juden
Date
1918-10-25
Page
Seite 41 (sequence 1)
Language
German
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Das Donaiireich und seine Juäen*) Von Dr. H. Kaudisch, Vöslau. OTS^furch das Manifest, welches die Umgestaltung der Westhälfte j des Donaüreiches im föderalistischen Sinne proklamiert, äJij^^» sowie durch die Lossagung der ungarischen Regierung vom Dualismus und ihr Bekenntnis zur. Personalunion entsteht eine neue Ära für alle Reichsvölker und eine' äußerst komplizierte Situation speziell für die Juden in der ganzen Monarchie. Wäre die nationale Autonomie — wie. es der Schreiber dieser Zeilen seit zwei Jahrzehnten fordert — in einem früheren Zeitraum von der Wiener Regierung realisiert worden, so hätte sie bei einem großen' Teile der Nichtdeutschen' und Nichtmagyaren ein freudiges Echo gefunden. Nachdem aber die Losung „des Selbstbestimiimrigsrechts" sich aller Geister bemächtigt hatte, war nur noch die Streitfrage, ob .Bundesstaat oder Staatenbund aktuell. Daß der Staatenbund eine vollkommen ungeeignete Verfassung ist, beweist neuerlich der Zusammenbruch des österreichisch-ungarischen Dualismus, welcher die Haupt Ursache aller staatsrechtlich-nationalen Kämpfe' in und zwischen beiden R c i c h s h ä 1 f t e n seit 50 Jahren, daher auch eine der Hauptursaclien des Weltkrieges bildete und in weiterer Folge die Monarchie um alle Früchte ihrer Siege in den Balkanländern brachte. Die maß- und ziellose Herrschsucht der auf ihre angeblichen historischen Rechte pochenden magyarischen Oligarchie, die in den letzten Monaten ihren Rassenantisemitismus gegenüber den ungarischen Juden im selben Maße zur S c h a u trug, wie bisher ihren wüsten Chauvinismus gegenüber den anderen nichtmagyarischen Völkern, bildet auch derzeit das Haupthindernis für die rationelle Lösung des österreichischen Problems und der balkanischen Fragen. Der einzige Weg hierzu bildet eine große F ö d e - ration aller im Donaubecken wohnenden Völker — also die Neuorganisation des.Donaureich es auf bundesstaatlichen Grundlagen, in die aber unbedingt auch Ungarn einbezogen werden m u ß , schon darum, weil dieselben Völker diesu nd jenseits der Leita wohnen (mit Ausnahme der Polen und Magyaren). Wenn aber die magyarische Oligarchie durch ihre Proklamation der Personalunion, der restlosen politischen und autonomischen Trennung von Österreich ihre Gewaltherrschaft in Ungarn-Croatien zu erhalten glaubt, dann irrt sie gewaltig. *) Der nachfolgende Aufsatz ist uns voreiniger Zeit zugegangen und durch die letzten Ereignisse allerdings in einer Reihe von Punkten 'überholt. Wir glauben jedoch, daß die gegebene Darstellung eines so guten Kenners der Verhältnisse, wie es Dr. Kadis ch ist, auch jetzt noch allgemeines Interesse beanspruchen dürfte. D. Red.

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