Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 2 (25.10.1918)
- Article
- Geschichtsirrtümer
- Date
- 1918-10-25
- Page
- Seite 40 (sequence 10)
- Language
- German
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C3 der originelle Schwung ihrer Tendenz ist nicht zu übersehen. Überhaupt muß betont werden, daß gegenüber der sinaitischen Offenbarung der Kreis für die schöpferische Tat recht eng gezogen ist. Denn technisches literarische, wissenschaftliche und künstlerischeLeistungen profaner Natur sind nicht „jüdisch" im Sinne der Überlieferung. Daß die Konzentration dieser Art des Schaffens günstig sein könnte, ist möglich; für wahrscheinlich halte ich es freilich nicht, da die notwendige Enge und Armut der Verhältnisse auf den Geist und Willen hemmend wirken müßten. Solche Ergebnisse als Beweise für die originelle schöpferische Kraft unserer Gemeinschaft anzusehen, ist aber nichts wie das Hineintragen eines ganz fremden Gedankens in den historisch feststehenden Begriff des Judentums. Die hier aufgeführte Liste ließe sich noch stark vermehren. Einen besonders schlimmen Streitpunkt, auf den ich an anderer Stelle („Im Deutschen Keich", Jahrgang 1914, Seite 309—319) schon früher ausführlich hingewiesen habe, bildet die „A s s i m i 1 a t i o n", bei der beständig unbewußte und bewußt«- Anpassung ebenso durcheinandergeworfen werden wie das Aufgeben wertvollen Eigengutes und die Anlehnung an gleichgültige Formen der Umgebung. Die national-jüdische Terminologie versteht unter „Assimilation44 eben etwas ganz anderes als das historische Judentum, und da der. Begriff in viele Unterabteilungen zerfällt, ist die Anzahl der Möglichkeiten für überflüssige Begriffsstreiterei unendlich groß. Sie ließen sich leicht vermeiden, wenn der Nationalismus die von ihm verworfene nationale Assimilation nicht mit der vom Judentum bekämpften religiösen Assimilation verwechseln wollte. Es ist das Recht einer jeden Bewegung, zur Macht zu streben. Wurzelt sie aber im Sittlichen und ist ihr Ziel sittlich, so müssen auch die Kampfesmittel denselben Charakter tragen« Heute ist der Kampf verschwommen, er wird hüben und drüben mit Argumenten geführt, die gewiß subjektiv wahrhaftig empfunden und gemeint sind, die aber objektiv wogen ihrer Mehrdeutigkeit unwahr und verwirrend werden. Dieser Streit um Worte und Begriffe verschlingt auf beiden Seiten viel kostbare Kraft. Die nationaljüdische Idee hat sich zum Kampfe gegen das historische Judentum erhoben, und der Kampf muß angefochten werden; Klarheit einer genauen Begriffsbestimmung ist hierzu unbedingt erforderlich. Die Unverständlichkeit in Gedanken, Aufdruck und Stil, der man heute in jüdischen Veröffentlichungen so^oft begegnet, ist nicht nur der Quell von Mißverständnissen und überflüssigen Diskussionen, sondern auch des Bruderhasses. Das Wort ist eine unendliche Macht! Ihm im Interesse der Entgifturig der Parteikämpfe die Grundlage unbedingter eindeutiger Klarheit zu schaffen, ist gewiß eine Forderung, in der sich alle Parteien einen können.