Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 1 (10.10.1918)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1918-10-10
- Page
- Seite 23 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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23 ©©GDGDGDGDEDGB uterakirbiatt ' ■ EpßQ036D0BOIIISil Martin Buber: „Mein Weg zum Chassidismus" *). „Mein Weg zum Chassidismus" betitelt sich eine kleine Schrift Bubers; sie umfaßt nur 22 Seiten. Aber gerade hier zeigt es sich, wie heilig das Wort ist, wie unmeßbar, wie anders meßbar als mit dem .äußeren Maß, wenn es aus dem rechten Munde kommt. Jede Seite des Kef- •tes ist voll der für uns Juden, d. h. .nichts anderes als für uns heutige Menschen, für uns, Kinder Gottes, die wir in allem und bei allem auf Gott schauen (das ist das Tiefste .und Schönste, das vorhanden ist, wie der Tag vorhanden ist) oder .schauen sollen — jeder Satz ist voll der bedeutsamsten Probleme und Auf- .schlüsse. Ich will jedoch nur einige Erkenntnisse, über die man leicht hinweglesen könnte, auf- .decken; denn hier ist einunendlich wesenhaftes Ergebnis, ein Standpunkt, von dem aus' jeder Leser selber in den für einen Moment erhellten Abgrund blicken und mit Heil sich versenken möge. .Was sind Chassidim, Chassidim :aller Zeiten? Was ist den Chassidim aller Zeiten gemeinsam? Buber antwortet: „Ihnen allen ist es gemeinsam, daß sie mit ihrer Frömmigkeit, mit ihrer Beziehung zum Göttlichen, "im irdischen Leben Ernst machen wollen; daß sie sich nicht mit gepredigter Gotteslehre und geübtem Gottesdienst begnügen, sondern, das Miteinanderleben der Menschen auf der Grundlage der göttlichen Wahrheit aufzurichten suchen." Was ist hier angeschlagen? Der Gedanke, daß mit wahrer Frömmigkeit also, mit der Beziehung zum Göttlichen, (das allein, nur das allein nämlich ist Frömmigkeit, nicht Werkheiligkeit, nicht öffentlicher Gottesdienst und nicht Genügen im Erlernten und Empfangenen, — Beziehung, reine echte Beziehung zum Göttlichen, das ist wahre Frömmigkeit obenan) Ernst gemacht worden müsse. Ernst, was ist das? Das Nötigste steht im zitierten Satze. *) Kütten & Loening, Frankfurt a..M. Preis 1,20 M. Die Entartung der großen Bewegung des Chassidismus konnte den geistesgeschichtlichen Prozeß, der mit ihr begonnen hat, nur aushalten, nicht abbrechen, sagt Bube?. Wieder Wahrheit, die uns erhebt .und erschüttert. Ja, das ist es: der Chassidismus ist lebendigste, gegenwärtigste Religion, seligste, tätigste Verehrung des Schöpfers und Künstlers aller Dinge. Chassidismus, das ist echtes Judentum, aber nicht der Chassidismus, wie er war oder ist, sondern wie er sein soll, wie ihn der „Fromme", der Vollkommene, sich wünscht und wie ihn jeder erstreben soll. Über Gott: „Gott ist in jedem Ding zu schauen und durch jede reine Tat zu erreichen." Was eröffnet sich uns nicht alles aus diesem Satz, wenn wir mit unserm Ernst v.m die wichtigsten Dinge des Lebeno aufrichtig Emst machen wollen? Jedes Ding, wie könnte es anders als in Gott sein? Und so ist in jedem Dinge ein Teil — sein Eigentlichstes und Schönstes —, von Gott: Wahrhaftigkeit, Echtheit, Erfüllung, Wie stimmt uns eine solche Anschauung zu Milde — ohne „Wohlwollen" im hergebrachten Sinne l „Der vollkommene Mensch ist kein anderer als der wahrhafte Helfer." Buber erkennt die Wesenheit des „Zaddik", seines schöneren Andel sseins, das keine Verwechslung mit einem weltlichen Mächtigen oder "mit einem angestellten Geistlichen zuläßt. Er sieht im Boden des echten Chassidismus, der echten frommen, im Grunde natürlich-edlen Gemeinde, den „lebendigen Doppelkcrn des Menschentums: wahrhafte Gemeinde und wahrhafte Führerschaft" wurzeln. Ist nicht unsere heiligste Sehnsucht: wahrhafte Gemeinde und wahrhafte Führerschaft? ' Aber wie käme solche Gemeinschaft anders zustande, als durch große Erhebung des Geistes, durch rechte Mühe im Göttlichen und Tiefen, als nurd^rch Religion, — durch andere Religion als die bisherige, durch Frömmigkeit in einem neuen Sinne, durch Tat und Sinnen, die dem Ganzen, Umfangreichsten nützt.