Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 24 (25.9.1918)
- Article
- Madonna und Schechina
- Date
- 1918-09-25
- Page
- Seite 570 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Da3 offizielle Judentum trägt ganz gewiß einen großen Teil der Verantwortung1 für jene sinnesfeindlichen und dalier auch gemütstötenden Tendenzen,» die im Christentum ihren Triumph feierten. Tiefes Punkd lagert noch über den Wegen der jüdischen Geschichte, die uns so wenig davon zu sagen weiß, wie es gekommen ist, daß der heißblütige Nomade des vordem Asiens, der nichts weniger als asketisch iind sinnesfeindlich veranlagt war und ist, sich uns fast unversehens m einen tiftelnden G-esetzesdeuter verwandelte. Aber es ist nun einmal so gekommen. Die tiefe Durchgeistigung des Lebens, die in den Ersählungen der ersten Bücher der Bibel unser Gemüt gefangen nimmt, schlägt in der Folge in eine unerquickliche Vergeistigimg um, die, sage was man will, der Seele doch sehr wenig Erfreuliches zu bieten vermag. Vergoisiigung auf der einen — Vermaterialisierung auf der anderen Seite. Je geistiger man im Bereiche des Gedankens wurde, desto materialistischer wurde man in dem des täglichen Lebens, und es hat schon etwas für sich, wenn man von dem tiefen Materialismus des Juden redet. Aber neben dem offiziellen Judentum gab und gibt es •ein inoffizielles, sozusagen unterirdisches Judentum, das mit dem •ersteren bald in offener, bald in versteckter Fehde lag und liegt. Es war und ist dies der Kampf der Burchgeistigung mit der Vergeistigung. Und dieses unterirdische Judentum hat aus den Tiefen seines Gemüts "heraus das Bild — nein, nicht das Bild, sondern vorderhand nur den Schattenriß einer göttlichen Mutter entworfen, die noch den belebenden 'Geist der alten Kulte atmet, ohne von deren schlimmen Auswüchsen beladen m sein, die Silhouette der Schechina, die ihr Antlitz in Trauer hüllt und über das Schicksal des Volkes wie des einzelnen weint. Leider gab es und gibt es keinen einzigen jüdischen Maler, der es je versucht hätte, die Vorstellung von der Schechina in einem Bilde lebendig zu machen. Die jüdischen Maler — aber haben wir denn solche, haben wir denn bildende Künstler, die nicht nur ihrer Abstammung und ihrem Namen, sondern auch ihrem Denken und Wesen nach als wirklich jüdisch bezeichnet werden könnten? Und auch dies :r-u3 dem offiziellen Judentum zur Last gelegt werden,, jenem Judentum, jC.as uns jede bildliche Darstellung verpönte/ ■ Eine Kindheitserinnerung Von Maxim Go r k i j. T"'''*'',>vTf5inter der Kirchenmauer spielen auf dem zarten jungen Rasen unter dem rötlichen Frühlingslaub laut und lustig einige —-■■-Ja Kinder; Vor dem Tore des großen Hauses, gegenüber der . C:re2io, steht ein alter Jude. Er blickt auf die Kinder und lächelt -:,c:iwach in seinen silbernen Bart,!£s ist ein ganz besonderer Jude, offenbar ein zugereister. Er trägt eines, langen, bis an die Fersen reichenden Rock und eine Samtmütze