Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 24 (25.9.1918)
- Article
- Madonna und Schechina
- Date
- 1918-09-25
- Page
- Seite 568 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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CC3 Liebs, die in den sogenannten heidnischen Kulten der grauen Vorzeit dms der wichtigsten religiösen Elemente bildete, mit dem Sturze der ..alten Götter zu einer sittlich verwerflichen Leidenschaft gestempelt und su einer unwürdigen Rolle degradiert. Was in den alten tief natürlichen mä zugleich tief mystischen Kulten als religiöse Extase geheiligt und ' gefeiert war, wurde zu einer sündhaften und schwächlichen Begierde, zur Perversität gebrandmarkt, und die ehemals göttlichen Tugenden wurden als teuflische Laster verschrien. Der gestürzte und verbannte Eros fristet seitdem ein lichtscheues und elendes Dasein im Exil; seine ehemals stolzen und schönen Züge sind zu einer widerlichen Grimasse verzerrt, sein würdevolles und feierliches Gebaren ist in ein schleichendes imd leiselreteiisches Wesen ausgeartet, und seine beglückende und erhebende Freigiebigkeit zu einer schnöden und beschämenden Gabe geworden. Mit der Demütigung des Eros und der Verunglimpfung seiner Attribute verüel auch der irdische Herd des göttlichen Feuers, der menschliche Leib, der Verleumdung und Ächtung. Und aus einer unglücklichen Verbindung der Verachtung zum Leibe mit einem gedemütigten und an sich irre gewordenen Instinkt ist eine unflätige Mißgeburt — der Zynismus, diese Fratze der Erotik, entstanden. Die Zeugnisse der Kulturgeschichte geben uns nur allzu spärlichen Aufschluß über die ersten Anfänge dieser seltsamen Aberration des menschlichen Geistes, die in einem an sich urkräftigen und beseligenden Instinkte mit einem Male eine Quelle, des Übels und der Sünde zu sehen begann; sie berichten nur allzumangel- und lückenhaft über die Ursprünge all jener ebenso widersinnigen wie frevelhaften Vorurteile und Aberglauben, die zu dieser unheilvollen Wertumwertung führten, einer Wertliniwertung, die, unseres Ermessens, zum eigentlichen Born aller Verkehrtheiten im privaten wie gesellschaftlichen Leben geworden ist* Aber\ganz gewiß war es das Christentum, das zuerst mit resolutem Grif! die Axt an den Ast des Lebens legte, und man muß es mit Entschiedenheit betonen,.daß ihm in diesem Beginnen das offizielle Judentum mächtig vorgearbeitet hat. Das Christentum hat die Liebe von ihrer physischen Wurzel in naturwidriger Weise gewaltsam getrennt und zu ein Dm schatten- und schemenhaften Dasein verdammt — zu einer vollständig ausgehöhlten, in sich zusammenfallenden Vorstellung, die nicht die geringste Kraft aufzutreiben vermag, irgendwelche Saite im menschlichen Gemüt erzittern zu machen. Mit der Liebe zum menschlichen Leibe mußte auch sofort die zum menschlichen Geiste verschwinden,, der — soweit unser Wissen reicht — noch nie ohne irgendwelche körperliche Manifestation in die Erscheinung trat. Auch darin trägt das cülsiello Judentum einen großen Teil einer welthistorischen Schuld an L.d>. Aber genug davon. Etwas anderes haben wir bei dieser kurzen 2c:!;rachlung im Auge, und das Thema Judentum-Christentum ist eine m verwickelte Angelegenheit, als daß es hier seine Erledigung fände. a .* * In diesem Zusammenhange möchte ich nur von einer einzigen. Boxstellung sprechen, die auf jedes ünneriieh zerrissene, ruhe- und