Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 24 (25.9.1918)
- Article
- Der Zionismus und die jüdische Mission
- Date
- 1918-09-25
- Page
- Seite 558 (sequence 3)
- Language
- German
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der Goistesrichtung des Zeitalters entsprießt, steht es im Einklang damit, daß eben eine jede nationale Bewegung überhaupt wirtac'haftlichen Motiven ihr Leben verdankt. •. Wem es mit der geistig-sittlichen Mission des Judentums ernst ist, der wird sich für die Erstarkung der geistigen Eigenart des Judentums einsetzen müssen und diese Arbeit nicht aufschieben dürfen, bis das Beich Davids begründet ist. Er wird aber auch nicht Beeinträchtigung dieser. Arbeit dadurch fürchten, daß es. gelänge, für Juden eine politische Sammel- und Zufluchtsstätte zu gründen. Schlesinger ist beizustimmen, daß der jüdische Geist nicht so sehr ein philosophisch-theoretischer ist, wie er auf die Hervorbringung und Verwirklichung einer, besonderen geistig-sittlichen Lebensauffassung ausgeht. Er hat diese Sätze vielleicht nicht ohne Erinnerung an meinen i&n bekannten Aufsatz über „Gerechtigkeit und Liebe, Wesen und Mission des Judentums" (in Brauns Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des. Judentums, 60. Jahrgang) geschrieben, der den Inhalt, der. jüdischen Ethik Im Anschluß an die praktische Eigenart des Jüdischen Geistes entwickelt. Wie ich auch in jener Arbeit hervorgehoben habe, ist aber die dem Judentum angemessene praktischsittliche Arbeit nicht möglich, ohne daß der jüdische Geist sich über sich selbst klar wird, indem er sich im Anschluß an seine Tradition Tertiext und in der Arbeit an den zahlreichen und schweren Problemen des praktischen sittlichen Lebens ausbildet Weil er in neuerer Zeit zur Erkenntnis seiner Eigenart und zu seiner eigentümlichen Betätigung acch nicht gelangt, ist, hat er jeden fühlbaren Einiluß auf das sittliche Loben verloren. Er wird in der sittlichen Zerrissenheit und Zerfahrenheit des Zeitalters mitgerissen und es ist nur gar zu klar, daß er, auch Wenn es noch, so sehr nottut, nicht einen Damm der Abwehr und ein Lichtsijjnal der Orientierung zu bilden imstande ist. D'ie Erstarkung der jüdischen Eigenart muß uns also auf jeden Fall erwünscht sein. Das ist unabhängig davon, ob wir Zionisten sind oder nicht. Unbedingt ist es unsere wichtigste Aufgabe, an ihr zu arbeiten und die Judenheit . rar diese Arbelt auf jede Art zu organisieren. Hier handelt es sich sieht nur um das dringlichste Interesse des Judentums, sondern zugleich um das sittliche Heil der Menschheit, das nach jüdischer Auflassung von der Erfüllung der Mission des Judentums gar nicht zu trennen ist. Das jüdische Interesse, das der Zionisten und der Nichtsiouist-en, mündet schließlich in der sittlichen Weltaufgabe des klassischen Volkes der Sittlichkeit. ' Hieraus ergibt sich die beruhigende Erkenntnis: Ein Gegensatz dar auf Erstarkung der jüdischen Eigenart gerichteten .Bestrebungen zur Sittlichkeit oder auch zu den wahren ~ Interessen desjenigen Landes, in dessen Kultur wir aufgewachsen sind, fct absolut. unmöglich:.