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Neue jüdische Monatshefte · 1918-09-25 · Heft 24 (25.9.1918) · p. Seite 557

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 24 (25.9.1918)
Article
Der Zionismus und die jüdische Mission
Date
1918-09-25
Page
Seite 557 (sequence 2)
Language
German
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557 innige Fühlungnahme mit den Kulturen der Welt erforderlich. Soweit sich deshalb über die Bedeutung-, die ein so großer Umschwung, wie ihn der Zionismus erstrebt, für das Geistesleben des Judentums haben, würde, im voraus urteilen läßt, kann man nur davon ausgehen, daß beide Kulturfaktoren — sowohl das staatliche Zentrum wie auch die Expansion in der Welt — nützlich und förderlich sein können, der eine, indem er den geistigen Quell sichert, der andere, indem er vor Verknöcherung und Verödung bewahrt. Der Nationalstaat kann eine -geistige. Gefahr sein, wenn er das Judentum auf die politischen und wirtschaftlichen Sorgen eines Winkelstaates beschränkt. Aber anderseits hat auch das Exil seine zweifellosen geistigen Gefahren. Hat doch die Niederreißung der Ghettomauern bei den Juden des westlichen Europas ein allgemeines Streben nach Auslöschen der jüdischen Bedeutsamkeit herbeigeführt, das heute noch viel erschreckender wirken würde, wenn nicht gerade der Zionismus das Selbstbewußtsein der geistig jüdisch Empfindenden unterstützen würde. Jüdisches Staatszentrum und jüdische Expansion können sich also in geistiger Hinsicht heilsam unterstützen. Daß beide nebeneinander bestehen sollen, denkt sich auch Schlesinger im Anschluß an die Auffassung der „Kulturzionisten". Wie hat man sich von diesem Standpunkt aus zu dem Zionismus zu verhalten? Zunächst ist die wütende Feindschaft, die ihm vielfach bei uns entgegengebracht wird, unbegründet. Wir haben wirklich mehr Anlaß, vor uns selbst Furcht zu haben als vor dem Antisemitismus. Letzterer entsteht und besteht ganz unabhängig vom Zionismus durch wirtschaftliche Gründe und ferner besonders noch durch Gründe des geschwellten Rassenhochmuts. Er würde ohne den Zionismus bestehen, wie er auch vor ihm bestanden hat. C h a m b e r 1 a i n begründet ihn mit dem Mangel an spezifischer geistiger Leistung des Judentums, der sich wenigstens für die neuere Zeit auch wirklich mit einigem Recht behaupten läßt. Am besten bekämpfen wir den Antisemitismus mit Selbstbewußtsein und Erhöhung der von dem Judentum als solchen ausgehenden speeifischen geistigen Produktion. Wie alle Nationalitätsbestrebungen, so beruht auch die jüdische vorzugsweise und wesentlich auf wirtschaftlichen Gründen, also auf der wirtschaftlichen Not der Juden, besonders der Juden im Osten Europas. Diese Motive lassen sich nicht unterdrücken, wie ihre Wirksamkeit anderseits durch geistig-kulturelle Bestrebungen auch nicht wesentlich gefördert werden kann. Wir müssen dieses Moment realpolitisch betrachten und sind im Interesse des Bestandes der Judenheit verpflichtet, die nationalen Bestrebungen zu unterstützen, soweit es die wirtschaftliche Lage, besonders der östlichen Juden, irgend erfordert. Religiöse und geistige Bedenken brauchen uns davon nicht abzuhalten. Dazu liegt kein wirklicher Grund vor. Auch daraus ist kein Grund zur Befürchtung zu entnehmen, daß ein großer Teil der Zionistcn in der Tat das religiös sittliche Moment völlig außer acht läßt und nur an das wirtschaftlich-politische denkt. Abgesehen davon, daß dieses Gebaren

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