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Neue jüdische Monatshefte · 1918-09-10 · Heft 23 (10.9.1918) · p. Seite 549

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 23 (10.9.1918)
Article
Wachstein: Die Inschriften des Wiener Judenfriedhofes [Rezension]
Date
1918-09-10
Page
Seite 549 (sequence 2)
Language
German
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ersten Platz ein1). Zwei Monumentalbände hat uns der unermüdliche Bibliothekar der Wiener Gemeinde hier beschert, das Resultat mehr als zehnjähriger, wissenschaftlicher Tätigkeit> ein Standard work, das sowohl in seiner Anlage und Ausführung, wie in der glänzenden Ausstattung, zu der . ihm „Freunde der Wissenschaft" ver- halfen, sich würdig den ahnlichen Veröffentlichungen über Frankfurter, Wormser, Prager, Prcßburger usw. Friedhöfe anreiht. Der Judenfriedhof in der Roßau (Seegasse), wie er in Wien heißt, hat durch Wachstein nicht die erste literarische Bearbeitung erfahren. Der Dichter L. A. Frankl, der seinerzeitige Sekretär der Wiener Gemeinde, hatte ihn bereits 1855 auf Grund des von G. Stern verfertigten Grabinschriftenmaterials bearbeitet, dio Reihe der Inschriften mit der eines Lehrers aus dem Jahre 154.0 beginnend. Kein Geringerer als Prof. D. Kaufmann hat auf die verschiedenen Mängel dieses Buches hingewiesen, er sollte auch ursprünglich dessen Neubearbeitung besorgen. W'achstein mußte also nach einem halben Jahrhundert ein ganz neues Werk schaffen. Mit bewunderungswürdiger Intuition hat er neue Grabsteine und Fragmente ermittelt, alte Steine abgeklatscht, Texte, besonders aber Datierungen Sn großer Menge richtiggestellt, als paläograplnsch und künstlerisch wertvolle Beigabe aber fast sämtliche, aus irgendeinem Gesichtspunkte bedeutenden Denkmäler in gelungenen photographischen Aufnahmen abgedruckt. Ein Blick in die, dem ersten Bande beigegebenen zwei Konkordanztabellen, die. die Kümmern der Fränkischen und Wachsteinschen Editionen einander gegenüberstellen, zeigt, welch weitgehende Unterschiede auch in der chronologischen Reihenfolge zwischen beiden bestehen. Die Zahl der von Frankl mitgeteilten 705 Steine aber ist 549 hier auf 1108 angewachsen, trotzdem eine Anzahl, derselben seither verschollen ist. Was nun die Behandlungsweise der einzelnen Inschriften anbelangt, sind Vollständigkeit, Gewissenhaftigkeit, wissenschaftliche Akribie die hervorstechendsten Eigenheiten Wachsteinscher Arbeit. Der pünktlichen Beschreibung des Grabsteines folgt eine diplomatisch genaue Wiedergabe des Textes, dessen stilistischen Elemente — da es sich in den meisten Fällen um biblischen oder rabbinischen Musivstil handelt — sodann mit imponierendem Vielwissen analysiert und samt ihren oft versteckten Anspielungen erläutert werden. Interessantere Inschriften werden sinngetreu übersetzt, eine zusammenfassende, kulturgeschichtliche Betrachtung über das „Lobu, die Bewertung der Verstorbenen ist dem I. Teil vorangeschickt. Den wesentlichsten, für den Historiker wichtigsten Bestandteil der Arbeit bildet natürlich die womögliche Identifizierung und Charakteristik der Personen. Der Verfasser durfte sich selbstredend nicht bloß auf kontemporäre Wiener Zeugnisse beschränken, die ihm in den ebenfalls durch die Hist. Kommission edierten jüdischen Grund- und Schuldbüchern, sowie in den gleichzeitig mit dem Ii. Bande erschienenen „Nachlässen der Wiener Juden im 17. und 18. Jahrhundert1*2; (Erbschaftsinventarien, Testamente, Eheverträge) ergänzungsreich zur Verfügung standen. Das Kepertitorium der von Wachstein herangezogenen Bücher und handschriftlichen Daten ginge in die Tausende. Die Geschichte der einzelnen Persönlichkeiten und dio ihrer Familien führen den Forscher weit hinein ins Reich und in die Kachbarlander, woher sich ein Strom der Zuwanderer ja ununterbrochen nach der Handelsmetropolo an der Donau ergoß. Im J. Teile, der die Grabsteine von 1540(?) (W. fixiert erst J) Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien. Im Auftrage der Hist. Kommission der isr. Kultusgemeinde in Wien bearbeitet von Dr. Bernhard Wachstein. — Wien und Leipzig, Wilh. Braumüller. I. Teil (1640 (?)—1070) mit 202 Textabbildungen, 15 Tafeln und einem Friedhofsplau, klein 4°, LXIV u. 592. 11)12. IL Teil (1696—1783) mit 03 Textabbildungen und 24 Tafein, klein 4°, XLIII u. 636. 1917. 2) Ein Beitrag zur Finanz-, Wirtschafts- und Familiengeschichte des 17, und 18. Jahrhunderts. Herausgegeben und bearbeitet von Dr. J. Taglicht. Wien und Leipzig, W. Braumülier, 1917.

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