Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 23 (10.9.1918)
- Article
- Jüdische Chronik
- Date
- 1918-09-10
- Page
- Seite 547 (sequence 3)
- Language
- German
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547 hielten 2652 Katmänner auf Grund von Listen der sechs politischen Parteien (Zionisten, Orthodoxe, Volkspartei, Poale-Zion, Vereinigte und Bund) ihre Mandate. Die anderen 925 Ratmänner wurden auf Grund zufälliger und lokaler Gruppierungen gewählt. Von den 2052 Katmünnern der politischen Parteien sind 1201 Zionisten, 515 Bundisten, 882 Orthodoxen, 209 Poak- ■ Zionisten, 207 Vereinigte und 07 Volksparteiler. Rußland. Der bekannte russischjüdische Kechtsanwalt Silosb e r g wurde in Petersburg getütet. Deutschland. Wie die russische Ku- - gicrungspresse mitteilt, ist in der gemischten deutsch-russischen Post und Tolegraphonkommission ein K o n f 1 i k t wegen derFrago der Zulassung der Korrespondenz in jüdischer Sprache ausgebrochc n. Die russische Delegation forderte die Zulassung sämtlicher Sprachen, während die deutschen Vertreter nach' langer Debatte sich für die Zulassung der lettischen, litauischen und estnischen Sprache aussprachen, die jüdische Sprache . jedoch ablehnten unter der Begründung, „d aß es keine Möglichkeit gibt, Übersetzer z u finde n'\ Die . russische Delegation erklärte hierauf, daß entweder sämtliche in Rede stehenden vier Spi sehen oder keino von ihnen zugelassen werden solle. Polai. Nach Mitteilung des polnischen Ministers des Innern an die Staats rat smitglicdcr Ei gor und W e i ß b 1 a 11 wird d i n Ii ü c k k e h r d e r A u s w a n d e - r c r nach Polen an zwei Bedingungen geknüpft: 1. an die . Kenntnis der polnischen Sprache, 2. an die dauernde Ansässigkeit in Polen. Die jüdischen Zeitungen Polens protestieren gegen die unnötige Schärfe dieser Bestimmung. Rußland, Wio das Jüdische K o - in i t e o für Kriegsopfer in Petrograd mitteilt, befinden sich in verschiedenen Orten Zentralrußlands 75 000 Flüchtlinge, die infolge des Bürgerkrieges, der Desorganisation des ökonomischen Lebens, der Zerrüttung d«T Transporte und des Fehlens von Nahrungsmitteln sich in einer völlig hoffnungslosen Lage befinden. Eine Hilfsaktion ist eingeleitet. Rumänien. Aus Boto'sani werden grobe Mißhandlungen aller aus der Gefangenschaft zurückgekehrten jüdischen Soldaten-durch ihre Vorgesetzten gemeldet — nach der Annahme derJudengesefcze im Parlament! 0301300(100130303 Liieraturblail 003© 0303 03113 [Hl Neues vom Jüdischen Verlag Der Jüdische Verlag, auf dessen schöne Entwicklung (in bibliophiler Hinsicht) auf diesen Blättern schon einmal hingewiesen worden ist, hat die Freunde des schönen jüdischen Buches soeben wieder durch einige wertvolle Neuerscheinungen erfreut. An erster Stelle müssen wir auf ein herrliches Buch hinweisen, das wir ohne Bedenken zu den schönsten neueren Büchern in deutscher Sprache zählen. Wir meinen die Erzählung von S. J. A g n o n : „Und das Krumme wird g e - ra d ea. Dio Leser dieser Hefte hatten . Gelegenheit, ein Kapitel aus diesem ungewöhnlichen Bucho zu lesen. Eine ausführlich« Würdigung gibt Herr Klötzel in dem vorliegenden lieft. Den Kenner fesselte dio Erzählung gleich durch die ersto Zeile, ja, schon durch den langen Titel: „Geschichte eines Menschen mit Namen Mcnascheh-Chajim aus der heiligen Gemeinde Buczacz (fest gründe sie der Höchste) , . ,u Wir dachten im ersten Augenblick an eiü Wunder der Stilisierung, wie wir es etwa in Borchardts „Buch Jorain" oder bei gewissen modernen Russen vor uns haben. Allmählich ging uns aber ein Licht auf, und wir sahen, daß es weit mehr als Stilisierung ist: Stilisierung ist Kunstgewerbe und zugleich etwas Totes; der hebräische Geist des Agnonschen Buches ist aber dem echten Geiste des klacsi-