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Neue jüdische Monatshefte · 1918-09-10 · Heft 23 (10.9.1918) · p. Seite 541

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 23 (10.9.1918)
Article
Der jüdische Gott
Date
1918-09-10
Page
Seite 541 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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alten- Freund, den Juden Berko Loschak. Sein Beruf war, einem imme? aus der Not zu helfen.- Wollte ich z. B. eine Wohnung der Stadtgemeinde vermieten (Sie wissen, dies ist bei uns ein glänzendes Geschäft): Berko erledigte es. Brauchte ich im Winter einen Maiglöckchenstrauß - - Berko verschaffte ihn mir, ob zwar in der Stadt keine Spur von einer Blumenhandlung war. Veranstaltete ich im Klub einen Skandal oder ritt „Spaßes halber" in das Arbeitszimmer des Bürgermeisters hinein — "Gala-Vorstellung! — Wer reichte mir die helfende Hand? Immer und immer Berko. Er lief hierhin und dorthin, gab hier einen Wink, dort einen vergoldeten Händedruck — und alles war in bester Ordnimg. Der Mensch war von großen Talenten, ein wirklich nützliches Glied der Gesellschaft. Ja ... . dabei aber immer arm und verhungert. Klein, schwarz, runzelig; mit unzähligen Falten im Gesicht; seine Augen aber waren groß, schwarz und lustig. ,Warum bist du so lustig Berko4?4 fragte ich ihn. ,Warum soll ich sein traurig?4 ,Du runzeliger Teufel, hast Du denn schon zu Mittag gegessen?' ,Warum meinen Sie, daß ich will zu Mittag essen?1 ,D*ummkopf, alle müssen doch essen!4 ,Wo steht geschrieben, daß alle müssen essen?4 ,Du bist also hungrig?6 ,Hungrig? Und wann sind Sie nicht hungrig? Vielleicht wenn Sie haben Ihren Braten gegessen und Champagner getrunken? Sind Sie aber deshalb Ihrem Gott näher?4 Was soll man da antworten? Er, der Berko, verdiente nicht wenig. Natürlich nach seinem Maßstäbe. Er war von heiterem Charakter und das gefiel den Gutsherren. Die gaben ihm zu verdienen. Er hätte sogar in einem gewissen Wohlstand leben können, aber .... er hatte unzählige Kinder. Jedes Jahr ein Kind, wenn nicht gleich zwei. Ich fragte ihn: ,Zu welchem Zweck fabrizierst du eigentlich so viele Berkos?4 , Warum soll ich nicht haben meine Kinderchen? Welches Vergnügen hab ich auf der Welt ohne meine Kinderchen?' ,Ja, aber die Kinderchen sind hungrig!4 ,Gott gibt Kinder, Gott wird auch den Kindern etwas geben!4 ,Krankheiten gibt er ihnen4 .Wenn sein muß eine Krankheit, gibt er eine Krankheit. Kann ich dem Herrgott vorschreiben? Wir haben einen gerechten, einen hilfreichen Gott. Wenn kommt die richtige Gelegenheit, dann zeigt sich, daß er uns nicht verläßt. Er hilft unbedingt. Wissen Sie, ich habe Jetzt meine Fanni zu verheiraten. Habe ich aber eine Mitgift für sie? Bin ich ein Rothschild? Bin ich eine Zuckerfabrik? Was glauben Sie aber? Bin ich etwa deshalb unruhig? Fürchte ich mich? Wir haben einen starken Gott er wird mir geben die Mitgift.4 Diese Ruhe brachte mich auf, Sein Herrgott muß ihn zur Mitgift verhelfen!! Ich brauche für meine Karoline doch auch sozusagen chic Mitgift, bin aber durchaus nicht davon überzeugt, daß mir der Herrgott eine solche geben wird. Und ich habe doch noch eine Chance — meinen

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