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Neue jüdische Monatshefte · 1918-09-10 · Heft 23 (10.9.1918) · p. Seite 534

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 23 (10.9.1918)
Article
Flavius Josephus
Date
1918-09-10
Page
Seite 534 (sequence 4)
Language
German
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534- Kenntnis des streng 'bildlosen jüdischen Kultes. Die Zeiten ändern sich, und -— bleiben doch ziemlich dieselben! Warum würde uns sonst der Kodex des Hammurapi, der vor 4000 Jahren abgefaßt ist, so modern anmuten, in dem die gleichen Verbrechen wie heute, mit ähnlichen Strafen wie heute, außer etwa Wechselfälschung und Diebstahl von Elektrizität, geahndet werden?! So ist denn die Schrift des Josephus gegen Apion und Genossen keine bloße dialektische Übung oder Gelehrtengezänke, sondern hat den sehr ernsten Zweck, seine Glaubensgenossen vor Verleumdung zu schützen. Weniger erfreulich ist seine Selbstbiographie, weil in ihr wie in allen derartigen Schriften, das liebe eigne Ich halb bewußt, halb unbewußt doch ein wenig zu sehr auf ein Piedestal gestellt wird. Aber wo Schatten ist, muß auch Licht sein: diese kleinen und manchmal allerdings auch großen Eitelkeiten seiner Lebensbeschreibung tuen doch dem Wert des „Jüdischen Krieges'4 und der „Altertümer14 keinen Abbruch. Wir sehen das klassische Rom eigentlich immer mit römischen Augen, das heißt mit denen der römischen Autoren. Da ist nun gerade Josephus eine gute Ergänzung, er zeigt uns zwar das gleiche Bild, aber in einer anderen Beleuchtung, vom anderen Standpunkt aus gesehen: „Ich muß mich vor eurer Ma<iht beugen. Darum tue ich es lieber freiwillig, denn Widerstand wäre doch vergeblich. Aber ich vergesse nie dabei, daß mein Volk, meine Lebensanschauung eine unendlich weit höhere als die eure ist.44 Das fühlt man trotz der schuldigen Reverenz vor dem Imperatoren doch deutlich durch, und darin liegt der Wert des Josephus vom kulturgeschichtlichen Standpunkt aus bemessen. Deshalb zum Schluß: man begnüge sich nicht mit diesen Zeilen, sondern lese Josephus selber *). Dem großen Lesepublikum hat er bisher nichts bedeutet und wird es wohl kaum auch künftig, er ist eben „Kaviar fürs Volk44 und — auch für den kulturhistorischen Feinschmecker! Zur' Gefchichte' der 'Wilnaer jüdifchen Gemeinde Von S. L. Zitron, Wilna A. Unter polnischer Herrschaft ST/^^fie jüdische Gemeinde zu Wilna zählt zu den ältesten jüdischen ^'■'■^w ^eme^nwesen un(* blickt auf eine m^hr als vierhundertjährige Vergangenheit zurück, in der ihr in der Geschichte des osteuropäischen Judentums die Bedeutung eines großen und bedeutsamen kulturellen und religiösen Mittelpunktes zukam. Verschiedenen historischen, sowohl jüdischen wie nichtjüdischen Quellen zufolge wies Wilna bereits in einem viel früheren Zeitpunkt jüdische Einwohner auf, indessen nicht als dauernd ansässige Bürger, *) Eine vorzügliche Übersetzung der Werke des Josephus von Heinrich Clomontz ist im Verlag von Otto Hendel, Halle, erschienen.

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