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Neue jüdische Monatshefte · 1918-09-10 · Heft 23 (10.9.1918) · p. Seite 532

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 23 (10.9.1918)
Article
Flavius Josephus
Date
1918-09-10
Page
Seite 532 (sequence 2)
Language
German
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schließlich menschlich verständlich ist. Seien wir gerecht: Darüber kann schließlich doch nur der urteilen, der sich selber einmal in gleicher Lage befunden und dann, — anders gehandelt hat! Eine geschickte „Weissagung", die er bei' dieser Gelegenheit omMt, macht ihn nach ihrer Erfüllung zum Günstling des Cäsaxs lind erhält uns so einen Mann und Schriftsteller von nicht zu unterschätzendem Wert So hat Josephus das letzte verzweifelte Ringen mit heroischem Unterliegen seines Volke« gegen Roms Allmacht zuerst in leitender ■Stellung, dann als Gefangener und endlich als seine Prophezeiung sich erfüllt und ihn dadurch zu hohem Ansehen gebracht, als Zuschauer Im römischen Hauptquartier miterlebt und in seinem „Jüdischen IC r i e g" beschrieben. Trotz des vorwiegend sachlichen Tones glaubt man oft ein grandioses Trauerspiel zu lesen, das Menschliche bricht bei ihm durch, ist es doch der Untergang seines über alles geliebten Volkes, den er schildert! Auf jeden, Kohlköpfe natürlich ausgeschlossen, wird und muß- Josephus einen gewaltigen Eindruck machen, sei er Jude oder Christ, oder auch Freidenker, schildert er doch den Untergang eines alten Kulturvolkes seiner Hauptstadt, in welcher der Tempel stand und sich eines der größten menschlichen Dramen abspielte, nämlich der Opfertod Christi, das zum ersten Glied einer langen Reihe neuer Geschehnisse, ja eine? neuer Weltanschauung wurde, deren letzte Konsequenzen wir eigentlich erst heute zu ziehen anfangen. Doch davon ganz abgesehen: welch gewaltigen Eindruck macht das Landschaftsbild Jerusalems vom ölberg oder Berg des bösen Ratesans gesehen, die gewaltigen Unterbauten, auf denen einst der Tempel stand, heute gekrönt vom Smaragd der Omar-Moschee. Doch Leben gewann das alles für mich erst, als ich an Ort und Stelle den „Jüdischen Krieg4* des Josephus las, der mir den Tempel in ragender Pracht wieder aufbaute und in Flammen untergehen ließ, und mit ihm ein ganzes Volk! Obgleich ich nicht Jude bin (nur, nebenbei bemerkt, sit venia verbo überzeugter Anti-Antisemit), möchte ich doch sagen: jeder gebildete Jude muß den „Jüdischen Krieg" und besonders die Belagerung von Jerusalem gelesen haben! Auch gerade für die j e t z i g e Zeit wäre diese Lektüre zu empfehlen: so mancher, der über die Leiden und Unannehmlichkeiten des Weltkrieges stöhnt, würde nachher ganz andersdenken, wenn er gelesen und mitempfunden hat, was die Unglücklichen damals erdulden mußten. Aber das allein ist es'nicht, was den Josephus und seine Werke wertvoll macht; auch in kulturgeschichtlicher Hinsicht ist er, wie schon gesagt, durchaus interessant, als Prototyp des gebildeten Juden der damaligen Zeit, überzeugter Patriot im Herzen, der sich aber doch nicht dem in paralleler Entwicklung zum Römischen Weltreich sich machtvoll entfaltenden Hellenismus verschließen kann. Er beherrscht Griechisch und Lateinisch und will durch seine Schriften der damaligen Kulturwelt beweisen, wie hoch gerade ethisch das politisch vernichtete

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