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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 514

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Frauen meines Volkes
Date
1918-07-25
Page
Seite 514 (sequence 6)
Language
German
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Harfe Tönen umrauscht, zu jubelndem Tanz den Fuß. Die dich, Vater,, auf dem Rialto ihres Spuckes und eines Hundenamens würdigten, flößten demütig erschauernd mir ins Ohr: „Schöne, süße Herrin, wann erhört dein Herz des Sklaven Flehn!" Die Thora lehrtet ihr den Knaben, verwehrtet den Mädchen. Nicht umschlang mich eurer Gemeinschaft heiliges Band, euerer Uberlieferungen eherne Kette. Nicht erzähltest du mir vom Leiden, dem Schicksal unseres Stammes. Nicht wußte ich, daß ihr ob der Wunden verblutet* ob des Giftes sterbet Vater und ihr alle, in Venetiens Ghetto, in euerer Galutentartung, wäre zur Jessica Debora geworden! Da es mir Lorenzos Diebeslarve antat, da ich dem Feind euere Dukaten, die ich nicht erwarb, euere Ehre, deren Wahrung mir nicht geboten, hingab, was wußte ich? An der ihr achtloö vorüberginget, verließ euch, die ihr preisgabt, verriet euch. Vater, deiner harret ein Gericht, härter als Porzias." Glücket Tochter des Galut auch du, in Demut treue Seele. ' Stolz ob des Mannes Weisheit und Erwerb, der eigenen Bescheidenheit froh. Deseigenen Unwertes, der eigenen Nichtigkeit, ja Sündhaftigkeit. Frau. de3 Galut, Dienerin wardst du, Wahrer in der Brut, der Sünden Quell. In deines Schuldbewußtseins Schatten, der Demut und1 des- Kleinmuts Gefäß, wandeltest du lautlos ruhmlose Pfade. Nicht ehrte dich der Gebote Gottes Erfüllung, nicht schmückte dich der Lehre Zier. „Gelobt sei, der mich nach seinem Willen schuf!" flüsterten allmorgendlich' deine Lippen, indes dein Gemahl, der Schöpfung Sinn, stolz-dankbaren Herzens seinem Gotte bekannte: „Gelobt seist du, der mich nicht zum-. Weibe schufst!" „Geschaffen ist das Weib hur der Kinder wegen, geschahen ist sie nur der Geschmeide wegen", lehrten die Weisen. „Genug für sie, daß sie unsere Kinder aufziehen und uns vor der Sünde schirmen", sprach der Weiseste. Also ward zur Magd Debora, zu des, Brutes Pflegerin Hulda. Und zur Sünde du, der Sieben Mutter. Dorothea. Da du klein warst, sähest du verwunderten Blickes der schwarzbärtigen, von unsichtbarer Last gebeugten Männer Schar, umschwärmend deines Vater sinnendes Haupt. Söhne des Ostens waren es, begierig der Aufklärung Licht, ihres erblindeten Volkes Erhellung... Da lenkten sie zu des Westens Leuchte ihre Schritte, dem Prometheus-, söhn Israels, des Lebens Feuer erlöschenden Seelen zu bringen. Dessen- Hers krampfte sich in des Volkes Weh. „Fern ist mein Volk der Bildung Quell, gäbe es noch Hoffnung?" In der. Zeiten Gunst die- Wiederkehr ins jfjudäerland,, von einem Hohen angeregt, mit liebender Seele erwägend, wird seines Sinnes schmerzhafter Entschluß: „Die f>&5te Schwierigkeit* die mir dem Projekt im Wege zu stehen scheint,. i der Charakter meiner Nation. Sie ist nicht vorbereitet genug dazu,,' ■r^ond etwas Großes zu unternehmen. . . Der Druck, unter welchem' v ir tolt Jahrhunderten leben, hat unserem Geist alle Vigeur genommen. .^3 ist nicht unsere Schuld, allein wir können nicht leugnen, daß der

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