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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 511

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Frauen meines Volkes
Date
1918-07-25
Page
Seite 511 (sequence 3)
Language
German
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deine Gewänder und weintest vor mir, ich habe es gehört, sprach Jahwe, Darum lasse ich dich eingehen zu deinen Vätern, du gehest in dein Grab in Frieden, und nicht schauen sollen deine Augen das Unheil, das ich über diesen Ort bringe." Also sprach Hulda, die Seherin. Hanna und Judith. Ist es nicht sonderbar? Schwestern sind sie, Hanna und Judith, Kinder einer Zeit. Aus des Leidens Meeresflut stieg die erste, Zeugin des Blutes, von der Hoffnung Sonnenhelle gezeugt die andere, Heldin. Dichtung diese, doch um so mehr Wahrheit. Hanna, der Sieben Mutter, vor den Syrier Antiochus gezerrt. Der sinnt Israels Untergang. Nicht durch des Leibes, -sondern der Seele Mord. Ist nicht besser, schöner, mächtiger, lockender und glückhafter Hellenenart? Doch, höhnend, sterben sechs der Knaben den Märtyrertod. Der siebente, letzte, wird vorgeführt, „Mein Junge, streichelt des Tyrannen Hand, dir winkt Reichtum und Glück. Hauptmann mit schönen Gewiindern, ja, mein Freund sollst du worden, wenn du den Hellenengöttern huldigst. Ich schwöre es dir!" Also spricht, nein, fleht, mit wankendem, empörtem Stolz der Syrer. „Und du, Mutter, willst du nicht den Siebenten, den Letzten, zu seinem Glücke überreden? So rede doch zu ihm." „Das will ich, König, den Siebenten, meinen Letzten, zu seinem Glücke überreden." Und sich zu ihm beulend, an ihn, den letzten, schmiegend, spricht sie in dos Landes Zunge, laut vernehmbar: „Mein Sohn, erbarme dich meiner, die ich dich neun Monate unter meinem Herzen getragen und drei Jahre gesäugt und weiter mit Nahrung und Pflege bis zu diesem Alter aulgezogen habe. Ich bitte dich, liebes Kind, schaue auf zum Himmel und zur Erde und siehe alles, was darin ist, und bedenke, daß diese Dinge aus solchen, die nicht waren, von Gott gemacht sind, und das Menschengeschlecht ist ebenso entstanden. Fürchte dich nicht vor diesem Henker, sondern erdulde deiner Brüder würdig den Tod, damit ich zur Zeit der Erbarmung samt deinen Brüdern dich wiedergewinne.1'" Des Tyrannen Züge erblaßten jäh. Doch der Knabe spricht mit fester Stimme: „Worauf wartest du nun? Keinen Gehorsam leiste ich der. Geboten des Königs, sondern den Geboten, die unseren Vätern durch Moses gegeben. Du aber, Mörder meines Volkes, wirst nimmermehr den Händen Gottes entrinnen/' Aufwallendem Purpur weicht des Syrers Totenblässe. „Henker, hol auch diesen!" kreischt er. Vor der Mutter Augen stirbt eines grausamen Todes der Letzte. „Und du, Kinderlose, Verfluchte, süß wäre dir nun der Tod, darum sei deine Strafe Leben!14 Doch der Mutter Lippen sprachen: „Gehet hinauf, meine Jungen, zum Vater Abraham, und saget ihm: größer ist Mutter als du, denn sieben opferte sie statt einem." Sprach es, stieg auf des Hauses Zinne und stürzte in die Tiefe. (Indes eine Himmelsstimme rief: „Mutter der Kinder, sei-frohL") Nicht entrinnen aber sollte er, des Volkes Mörder, den Händen des furchtbaren Gottes. Ein Weib zu seines Grimmes . Werkzeug erkor des Volkes Sehnen. Zeugin des Blutes ist Hanna, Zeugin der Kraft aber Judith. Schwestern sind sie. und es rächte die Heldin die Märtyrerin,

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