Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Rosa Rubin
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 509 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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509 Du kennst keinen jüdischen Gott, da kennst kein jüdisches Volk. Du kennst nur den Gott der Allmenschheit und das darbende Volk der Russen, das du zwar noch nie gesehen hast, dem* du aber deine ganze Liebe, deine ganze Jugendkraft schenken willst. Du darfst es aber nicht, und der ganze Strom von Liebe und Zärtlichkeit steigt unverbraucht in den leeren Minsker Himmel. Du siehst das dich umgebende jüdische Volk nicht, du hörst seine Stimme nicht, du glaubst, daß es dir fremd sei- Und doch . . . und doch bist du jüdischer als tausend andere, die ihr Judentum wie ein Kleid am Körper tragen. Jüdisch ist dein heißes Blut, jüdisch deine herbe Jungfräulichkeit, jüdisch dein Trotz, und jüdisch deine Sehnsucht, die, und wenn du es selbst auch nicht weißt, dem Messias gilt. Kein Hermann Bang, kein Anton Tschechow hat dich besungen, aber der königliche Sänger meinte dich: „Kehre wieder, kehre wieder, o Sulamith, kehre wieder, kehre wieder, daß wir dich schauen! Wie sohön ist dein Gang in den Schuhen, du Fürstentochter!" Wo bist du, Rosa Rubin? Kehrst du nie wieder? Frauen meines Volkes Von Le o*R Osenberg, Berlin. Mutterinisrae 1. ^fe^?*r Sohn Nuns, der von des Meisters Sonnenhelle fahl bestrahlte ' M eigenlichtlose Mond, war tot. Und wenn er noch lebte? Wäre yj v *1__J3 — TT T — —1 _ m__TT" *1 I ^),.« t\^M/vl%!^/l/>w« />! A Cr\ *-» sv» Z Ta -vvt ihm des Werkes Vollendung beschieden, dessen Anfang ihm bereits mißlang? Zu Gigal, von des Jordans Flut noch betaut, war der Baum, bereits im Stamme, auseinandergehest. Jehuda, Simon und Binjamin nach Süden, Ephraim ins Mittelland, Issachar, Sebulon, Naphtali und Ascher gen Nord. Nicht leuchtete zu einem Weg, nicht . entfachte der Eintracht Glut des folgenden Mondes toter Glanz. Jehudas Herz und Hand fern dem Bruder Ephraim, des Mittelgebirgbewohners sehniger Arm den Nordsippen unerreichbar. Dazwischen trieb Zwietracht ihre Keile, türmte sich, unübersteigbar, der Kanaaniter Wall. Nicht überwunden noch gedemütigt, doch gebändigt ward er, des Urbewohners aufzischender Trotz. Nun konnte, schien es, des Schwertes Wutgier, von Heldenfett gesättigt, bis zur Stunde ruhen, da es gegen die lauernde Tücke der Umvölker, im Ost und Süd und im Küstenland, aufgerufen wird. Da flackerte der gebändigte Urbewohnertrotz mit letzter Glut auf. . Hoch loderten der Empörung Flammen um den ver-' wegenen Eindringling. Der Kanaaniterkönig Jabin, Fürst in Hazor, samt neunhundert ehernen Streitwagen und mächtigem Verbündetentroß, blieb Herr in Nord und Gebirg, und Israels entwehrte Stämme beugten sich ins Joch. Zwanzig Jahre. Erlöser aus Ägyptens ehernen Tiegel, deines Willens Schiff scheitert an rauhen Klippen, deine Kofi-