Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Die New Yorker Jüdin
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 506 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2908689-2908714-2908732-2911123--1900-2911195- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
keitsbäzaren isnd Chanukkahbescherungen auf der Ofctseite beschränkt bleibt, sondern die wirklich in die „slums" gehen und mit eigener Hand helfen lind lindern (nicht nu* die Oberaufsicht führen), doch sind das jene Ausnahmen, welche die Regel bestätigen: Zwischen diesen beiden Klassen — der Klasse der Eingewanderten und;, derjenigen der, „society-lady"---fehlt zwar nicht völlig die der Jüdin des gebildeten Mittelstandes, doch ist sie lange nicht in demselben Maße vortreten wie bei uns, und innerhalb dieses jüdischen Mittelstandes wieder ist es die Haustochter, nach der wir uns fast vergebens umsehen. Ich entsinne mich nicht, in Amerika eine einzige junge Jüdin getroffen zu haben, die in der Besorgung der häuslichen Angelegenheiten ihren eigentlichen Beruf sah. Dagegentraf ich viele berufstätige Mädchen, die sich später zu hervorragend tüchtigen und geschmackvollen Hausfrauen entwickelten. Dio 'Mehrzahl der Töchter aus vermögenden jüdischen Häusern trieb wissenschaftliche oder künstlerische Studien (die allerdings drüben . gewöhnlich noch tiefer stehen als bei uns), gab Unterricht oder übte eine kunstgewerbliche oder kaufmännische Tätigkeit aus. Außerdem waren es. vorwiegend diese Kreise, die ihre Kräfte dem allgemeinen Wohl zur Verfügung stellten und sich der sozialen, vielfach der rein jüdisch-sozialen Arbeit widmeten. Diese Frauen, die meistens einem Beruf nachgehen, sind es, die in Settlements, Arbeiterinnenklubs, luädchenbildungsverelnen, Kindergärten, Ferienkoloniön oder Volks-; küchen eine Fülle werktätiger Liebe entfalten. Aus ihren Kreisen heraus ist auch der Wille entstanden, das Fürsorgewerk für die Jugend derOstseite aus den Händen der Nichtjuden zu nehmen und es auf eine jüdische. Basis zu stellen. Noch ist vieles, was diese Frauen leisten, nach unseren ^Begriffen allzu primitiv, noch allzusehr mit amerikanischer Banalität verquickt; aber doch ist die soziale Fürsorge, die aus diesem Kreise hervorgegangen ist, eher als die bisherige geeignet, das jüdische Einwrandererkind inmitten all des Amerikanisxmis, der es bedroht, wieder auf sein Juden- , tum und seine Familie zu verweisen. Zu diesen unermüdlichen „social workers" stoßen von Tag zu Tag mehr Frauen, die, selbst dem Ghetto entstammend, die Psyche der Einwanderer, die Leiden, Freuden und Sehnsüchte des Judenviertels kennen und auf dieser Kenntnis fußend, das Leben ihrer Volksgenossen auf eine-höhere* Stufe zu stellen suchen. In diesen Kreisen habe ich an Geist, Willen und Empfinden stärkere Frauen getroffen als in irgendeinem, anderen Lande der Welt. Vielleicht weil Naturen,, die sich aus dem amerikanischen Ungeist empor- Eimngen 'vermögen, von Hause aus mit besonderer Kraft begabt sein