Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 20-22 (25.7.1918)
- Article
- Jüdinnen
- Date
- 1918-07-25
- Page
- Seite 482 (sequence 2)
- Language
- German
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eben zuweilen auch im Selbsttadel, nicht nur im Selbstlob —, bis mir nützlich die entwicklungsm&ßigö Ehrlichkeit dieser Gestaltung, gewissermaßen ihre Naivität hinter, allen nebstdem vorhandenen Abrichten aufging. ,'■ . . Die Sache liegt« für mich nun so: „Schloß Norne- P3fgge" war ein Weltuntergang. Ich hatte alle Werte negiert, ich. hatte in der Person des Helden mich selbst aus der Welt geschafft, in der für einen „Indifferenten" meiner damaligen Art keine Möglichkeit bestand, weder im Diesseits noch im Jenseits. Nachträglich sehe ich ein, daß nichts die klare, von außen sichtbare Eindeutigkeit meines literarischen Profils mehr beeinträchtigt hat als die unwillkürliche, mir damals ganz unbewußte Geste, mit der 'ich nach dem Nornepygge-Erfolg, statt weiter in dieselbe Kerbe zu hauen, still zur Seite schlich und etwas ganz anderes in Angriff nahm, gleichsam nochmals von vorn anfing und versuchte, aus dem wenigen Positiven, das mir aus meinem allgemeinen Zusammenbruch geblieben war, eine neue Lebensmöglichkeit für mich aufzubauen. Ich sammelte, statt auf meiner literarischen Marke: „Verzweiflung" zu bestehen, die bescheidenen Trümmer von Glauben, die es in meiner Seele noch gab. Und diese Glaubensreste zentrierten sich um diese eine Erscheinung: Die jüdische Frau. Nach den welt- Msloriehaften, menschheitsweiten Prospekten von „Nornepygge", die haltlos eingestürzt waren, taucht dieses geradezu übertrieben eingeengte Buch „Jüdinnen" auf (nicht einmal in Prag spielt es, sondern in einer kleinen Provinzstadt) — und im Mittelpunkt ganz Dumpfheit, ganz Bratwärme, aber sicher und allen Zeiten trotzend: das jüdische Heim (2. Kapitel), die Familie, die jüdische Mutter, die kleine-, schwache, sorgcnd-liebevolie Figur, und in ihrem schützenden Bannkreis sich entwickelnd die junge schöne Olga, meine Lieblingsgestalt, naturhäftes Landmädchen mit dem guten mütterlichen Instinkt, Trösterin unendlicher Vereinsamungen, Helferin, Retterin. Aus der Olga-Gestalt hat sich mir später die jüdische Heldin entwickelt, die „Retterin14 Hanna (in dem gleichnamigen Drama) und die große reine „Esther", morgensternlicli, 'allumfassend. Doch ich möchte, daß man alle diese heroischen Keime schon in meinem schlichten Landmädchen ruhen fühlt, dessen große Szene (12. Kapitel) ich unter Tränen geschrieben habe. Man hat es leider wenig beachtet, daß der Nachdruck des Buches „Jüdinnen" auf dieser „Tochter Zions" liegt, wie ich sie, nur sie, in ihrem Ilaupfcsnoment nenne ~— man war, wie der Hold des Buches, allzusehr von Irene geblendet — der zweiten Agonistin, die nun freilich den von westenaropäischer „Kultur" und Intellektualism^s-Strebere! gründlich verdorbenen Jüdinnentypus darstellt. Wde wahr dieser Typus gerechnet ist, sehe ich daraus, daß drei Damen, meiner weiteren Be- ^aantsohaft sich damals durch das Buch getroffen und beleidigt gefühlt " —-obwohl keine von ihnen gemeint war. (Über das Prinzipielle : :or Frage „Dichter und Modell" vgl. mein Nachwort au „Arnold ■ v,.r\) Gewiß, Irene ist verdorben, geistig ruiniert.- Aber die Kritik gilt wc"i;-or ihr und dem guten Urwesen der jüdischen Frau (das ja in Olga S^tgt&m angedeutet sein sollte, zumindest im Umriß) — meine Ironie