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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 478

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Die Westjüdin und die Idee
Date
1918-07-25
Page
Seite 478 (sequence 2)
Language
German
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auch hier noch möchte ich die nachdrückliche Einschränkung nicht vergessen: daß die Mannigfaltigkeit der Typen und Persönlichkeiten der Verallgemeinerung innerhalb der Eigenart eines Volkes oder auch nur einer Volksgruppe spottet. , Es ist keine kühne Behauptung, daß das natur-unmittelbarere, tiefer in der UnwiUkürlichkeit verankerte Geschlecht, die Herrschaft der Idee über das zufällig Gewordene nur gleichsam aus der Übersetzung kennt und begreift, daß ihm, wenn es unabhängig und unbefangen aus tiefem .Ichgrunde heraus urteilt (nicht von irgendeiner Leidenschaft des Glaobenwollens, etwa der Liebe, betäubt),, die absolutistische Regierung des Geistes gegenüber dem Natijrgewachsenen, von selbst sich entwickelnden, künstlich, gewaltsam, wenn nicht geradezu sinnlos und hoffnungslos vorkommen muß. D'a3 Jüdische ist gegenwärtig in der seltsamen Lage, daß sein Wille und seine Liebe zur Naturunmittelbarkeit nur in der Idee, im Geiste erwachen und sich erhalten kann, seihe Sehnsucht, nach Rückkehr zum selbstverständlichen Herauswachsen aus Luft und Licht und Boden des Gegebenen nur negativ sich äußern und betätigen kann, nur, indem es Luft, Licht, Sprache, Gesittung, in die es hineingeboren, als fremd, verfälschend, dem Leben der tieferen Wahrhaftigkeit abträglich fühlen lernt. Es ist nun das Tragische unserer Frauen, daß also ihr Element, ihre Machtsphäre von Gottes Gnaden — durchaus nicht nur. das leibliche Wohl, selbst nicht nur der Humusboden des Gemüts — einfach der Urkraftspeicher aller menschlich unbeeinflußbaren vitalen Ausgangsbedingungen sich als* Gegenmacht "der Idee in den Weg stellt, daß die Auswirkung im Einzelnen: - Schätzung des Nächstliegenden, Sicherung des morgigen Tags, .des heranwachsenden Geschlechts in seinen stofliehen Notwendigkeiten.. Häuslichkeit, Ehe, Familie, der tiefe Zug nach Nur atmen, ohne Zweck und Ziel, die mächtigste, weil berechtigte Opposition gegen den Machtspruch der Idee ist. Und so werden die Frauen, gerade die ehrlichsten und wertvollsten vielleicht, in eine unnatürliche Stellung gedrängt. Sie müssen das, wozu es sie unwillkürlich treibt, verachten und bekämpfen oder — wie es ihnen selbst erscheinen mag — belächeln und übersehen lernen. * Es ist nur zu begreiflich, daß die unabhängig denkende Kämpferin für Volkserneuerung ebenso wie die Ässimilantin neben Unzufriedenheit, Ärger, Kränkung — nicht der männlichen Verzweiflung — über die unerträglich harmoniere Gegemvart vor allem an der Unabsehbarkeit des endlosen idealistischen Wegs leidet, .während den Männern der Weg selbst schon das Leben groß und schön erscheinen läßt, das unverlierbare Wissen vom kommenden Sieg der Idee, die unsterbliche Sicherheit des Andersseinkönnens an sich — also des bloßen Anschauens der Erlulung — der Gefühlsmittelpunkt ist.. Es liegt im tiefsten Wesen der 'l^au, es als widernatürlich und sinnutörend zu empfinden, im Angesicht o;s Landes der Verheißung sterben zu sollen oder gar zu wollen. In /einem' übrigens begeisterten Bericht eines zufälligen nicht zionistischen Besuchers der .Kolonien las ich kürzlich, daß die Ansiedler

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