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Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-25 · Heft 20-22 (25.7.1918) · p. Seite 464

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 20-22 (25.7.1918)
Article
Rahels geistiges Wesen
Date
1918-07-25
Page
Seite 464 (sequence 1)
Language
German
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: Raheis geistiges Wesen. Von Margarete Susman. Nachdem Evangelium zwar sind sie Feinde um Euretwillen; aber nach der Wahl sind sie Geliebte um der Väter willen. (Römer 11. 28), Ein schönes Schicksal hatte ich nicht; aber gottgeliebt war ich doch; 03 war immer Feiertag in mir, (Rahel). c^^}K0KGlm ^er Genius der für die Menschheit wie für seine Nation ' ^4">"? gtefoliermaßen repräsentative Mensch ist, wenn er uns so in seiner Person den Ariadnefaden durch das Labyrinth der sonst tiberall chaotisch vermengten menschlichen wie völkischen Eigenschaften liefert, so trifft dies für Eahei in seltener Klarheit zu. Niemals trug ein geistiges Antlitz reiner menschliche Züge als das Raheis, und niemals zugleich war in einer modernen Gestalt der schwermütig leuchtende jüdische Typus klarer und wahrhaftiger ausgeprägt. Mehr noch: Raheis Geschichte in ihren wesentlichen Zügen schreiben, heißt: die des jüdischen Volkes selbst schreiben. Die Menschengeschichte, wie sie als Wechselwirkung von Verhängnis und Seele in besonderer Form in diesem Volke sich offenbart hat. Dieser Schicksalsweg ist beide Male der gleiche: Feindschaft, Haß, Unverstehen der Menschen, die das Leben bis an die Grenzen seiner Erhaltungsmöglichkeit trieben — und aus dieser innersten Bedrängnis emporsteigend die rein und selig brennende Flamme eines geistigen Lebens, das dem verzehrten Stoff in nichts mehr ähnlich ist. Irgendwo freilich bleibt immer das Wundraal, die Verletzung des Jakobskampfes auch im strömendsten Segen zurück; aber in den edelsten und reinsten Gestalten, zu denen auch -Eahel gehört, nur als Erkennungszeichen des lebendig ausgefochtenen Kampfes mit der in Gott gewandelten dunklen Macht Dies Zeichen trägt jeder gro&8 jüdische Geist und jede große jüdische Lehre als Wundmal und Kranz zugleich. So gebar die ägyptische Verzweiflung ■lloses, so der Zerfall Israels die Propheten; so stieg aus der Verstümmelung und Schmach der östlichen Ghettowelt, der Chassidismus, die reine Inbrunst im Geiste, aus der des Westens die brennende Wahrheitskraft Spinozas empor; am finstersten Dunkel irdischen Daseins entzündete sich der Traum von der Schechina, der wandernden, suchenden, hcimverlangenden Gottesglorie; aus den ungeheuren-Leiden und tiefen Verschuldungen des jüdischen Volkes gebar sich der alles Leben übergreifende messianische Welterlösungstraum und die weltüberwindende Tat des für Gott sterbenden Christus. So endlich stieg allem zuvor :v.3 der Nacht und Vielfalt, der dunklen Verwirrung des Erdenlebens überhaupt als die offenbar gewordene religiöse Kraft des jüdischen Scbtes der Eine gesetzgebende Gott Nirgends in der Geschichte der Welt hat sich der Geist in so erd- ColUctor Eeinheit aus solcher Nacht entbunden, und wenn wir dem Urspriaijj dieses Gesamtschicksals, dieser immer wiederkehrenden Erscheinimg nachspüren, so treffen wir überall auf dieselbe einfache Quelle,

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