Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 19 (10.7.1918)
- Article
- Jüdische Volkskunde im Lichte der neuesten Forschung
- Date
- 1918-07-10
- Page
- Seite 451 (sequence 5)
- Language
- German
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Massen der Juden tiblich, aber von den ältesten Gesetzeslehrern verboten. Sie untersagten den Gebrauch des Eisens als Amulett, ebenso die Benutzung des Wassers zu Dämonen abwehrenden Zwecken. Die primitive Glaubensvorstellung von der apotropäischen Wirkung des Wassers spielt besonders in der altchristllchen Auffassung von der Taufe eine Roll'S, gemäß welcher das neugeborene Kind durch die Taufe vor den Dämonen gerettet ist. Der Kampf der alten Gesetzeslehrer gegen den Aberglauben der ungebildeten Volksschicht, des sogenannten Amhaarez, zu einer Zeit, wo die ganze heidnische Umwelt ihn als lautere Wahrheit, als ein wichtiges Stück Religion betrachtete und gewissenhaft hegte und pflegte, war zum größten Teile vergeblich,. Sämtliche Völker bedienten sich ehemals der. Amulette als Vorbeugungsmittel gegen Krankheiten. Die Gesetzeslehrer duldeten anfänglich nur eine beschränkte Anzahl Amulette, und zwar solche, deren heilsame Wirkung von den Ärzten allgemein anerkannt wurde, wie eine knotenartige Schnur, die um ein Kind gebunden wurde. Noch heutzutage hängt der rheinische und süddeutsche Jude einem Kinde eine Kameia an, die gewöhnlich aus drei Münzen und einem kleinen Säckchen besteht, worin etwas Salz und Matze oder Brot sind. Dagegen haben die ältesten Gesetzeslehrer das rote Schnuramulett sowie das Tragen eines Fuchszahnes als Talisman verboten. Letztere zwei Amulette sind noch heute bei den verschiedensten Völkern im Gebrauch. So bindet der Brandenburger in der Berliner Gegend seinem Kinde einen Fuchszahn um den Hals. Ein Aberglaube, der sich noch heute bei den Völkern der fünf Erdteile nachweisen läßt, ist die uralte Auffassung, daß gewisse Menschen mit ihrem Blicke Unheil stiften können. Dieser Glaube an den sogenannten „bösen Blick", der durch bloßes. Anblicken und Bewunderia von Personen Schaden zufügen könne, findet sich auch bei den Juden unter dem Namen „Ajin hora". Allgemein bekannt sind die gegen den „bösen Blick" angewandten Abwehrmittel wie „unberufen'4, „unbesebrien, dreimal unter dem Tisch geklopft" oder das Ausspeien, Auf die Furcht vor dem „bösen Blick" geht auch der Ursprung des seiS den ältesten Zeiten bei den verschiedensten Völkern üblichen Brauches zurück, die Braut am Hochzeitstage zu verschleiern. Der Schleier soll sie vor Behexung schützen. Netzartige Schleier gelten bei den primitiven Völkern als vorzügliche Abwehrmittel gegen böse Geister, weshalb besonders Kranke und kleine Kinder damit versehen worden sind. Im Talmud gilt die Verschleierung der jungfräulichen Braut bereits rJ.s erstarrter Brauch. (Schluß folgt). Glossen Von Heinrich Margulies, Krakau Lyrische Romantik. „Wir müssen die palästinensischen Verhältnisse so gestalten, daß die Lockungen, die den Habgierigen, den Herrschsüchtigem und den Streber hinführen, bei uns geringer sind als wo anders." Wäre Ludwig Strauß C,Der Jude", Heft 12, II. Jahrg.) nicht ein Lyriker, so