Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1918-07-10 · Heft 19 (10.7.1918) · p. Seite 439

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 19 (10.7.1918)
Article
Die Stimme des Bruderblutes
Date
1918-07-10
Page
Seite 439 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2908689-2908714-2908731-2911063--1805-2911088
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dieser Tage im Haag abgehaltenen Massenkundgebung gegen die Judenpogrome in Galizien, die beharrliche Verweigerung der n a t i o n a I e n Rechte der Juden seitens der polnischen Parteien trage die Hauptschuld an diesen Verfolgungen, befremden: Wir wissen, wie wate sie sind. Ist diese Entrechtung ganz fremde Schuld? Gewiß nichü Unsere Selbstverleugnung hat sie herbeigeführt, gefördert, gefestigt. Juden haben den Gedanken, wir wären kein Volk mehr, der Welt aufsuggeriert, Juden sind bei seiner Durchsetzung und Erfüllung nach außen und nach innen mittätig. Die Zersplitterung endlich ist sowohl riiumlich wie innerlich zu begreifen. Das Werden der ersteren ist nicht ganz unsere Schuld, wohl aber ihre Überwindung unsere Aufgabe. Nicht eher wird sich das Schicksal dieses Volkes wenden, bis diese dreifache Quelle seiner Ohnmacht zugeschüttet und die Schmach seiner Schwäche' ans dem Bewußtsein der Welt gelöscht ist. Wie soll das geschehen? Durch Konzentration der Volkskrai% durch freudiges Bekenntnis zum Volke, durch die Erkämpfung und Betätigung der Volksrechte, durch den Willen zur Kraft. Wer bei den Thermophylen stirbt, schenkt Hunderten das Leben. Die in den" Flecken Galizicns, Weißrußlands und der Ukraine den Märtyrertod starben, haben den Millionen die große Erkenntnis geschenkt, daß wir wieder stark werden müssen. Das ist der Sinn und die Deutung ihres- Sterbens, das der Stimme des Bruderblutes Mahnung. Nicht klagen wollen wir, sondern diesen Sinn Vimd diese Mahnung erfüllen. Auf dem frischen Grabe des k. u. k. Landwehrmannes Rabbi Petachja Meiler aus Stryi, den sie in Krakau aus dem0 Straßenbahnwagen gezerrt und zu Tode gemartert haben, wollen wir das grüne Banner unserer Hoffnung pflanzen, das mit weithinleuchtcaden Lettern dem über die Erde zerstreuten Judenvolke den Ruf kündet: Stirb und Werde. Eine kleine Anfrage im Reichstag. Die sozialdemokratischen Abgeordneten Cohen (Reiiß) und Noske haben im Reichstag folgende kleine Anfrage an den Reichskanzler gerichtet: ,,Nach zuverlässigen Nachrichten waren in Warschau und L o d z Anfang dieses Monats Aufrufe angeschlagen, die in unverblümter Weise zu Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung aufforderten. Es heißt in diesen Aufrufen u. a.: .Jüdische Banden plündern Polen! Durch ihre Hände nimmt dio Okkupationsmacht alles, was sie will. In dem Bestreben, die Sprr;.?. dieser vernichtenden Arbeit zu verwischen, säen die Juden UnTrioüva zwischen uns, rufen in unseren „Reihen Streitigkeiten hervor, organisier:?:! den Bürgerkrieg,---Man muß diese Bande vertügr ~.' Biesen Juden muß man eine Lehre geben. Sie soHen wissen, da.". >'. o Strafe säe ereilen wird. — — Zum Kampf, Polen! Schützt unser L'c Polen!; Drei Tage lang konnten diese aufreizenden Schriftstücke an Ecken und Enden der beiden genannten Städte prangen, bevor sie entlc;. wurden, während die Polizei sonst die Beseitigung unerwünschter öffentliche -Aufrufe im Handumdrehen zu bewerkstelligen weiß. Den j üd isch c-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.