Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 17 (10.6.1918)
- Article
- Die Litwaki
- Date
- 1918-06-10
- Page
- Seite 396 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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So muß dann die nüchterne,, sachliche Kritik der Litwakenformel sum Schlüsse kommen, daß die nationalistische Bewegung der Juden in Polen eine Erscheinung ist, die unabhängig von der Einwanderung russischer Juden gekommen ist, und daß man in der Litwakeneinwanderung überhaupt nicht eine Grundlage des jüdischen Nationalismus erkennen kann, daß man höchstens in der Tatsache, daß unter den Litwaken eine Reihe von politischen Führern des polnischen Judentums heute zu finden ist, eine Förderung des Zeitmaßes heute erblicken kann,, in dem diese nationale Bewegung zu einem gewissen Grad politischer Seife sich entfaltet hat und weiter entfalten wird. Damit fällt aber auch natürlich die weitere Schlußfolgerung, daß eine nach dem Kriege einsetzende Rückwanderung der Litwaken nach Rußland im ganzen Lande etwa jenes friedlich-nachbarliche Zusammenleben wiederbringen könnte, das man sich von ihr verspricht. Diese Rückwanderungswahrscheinlichkeit braucht gar nicht in Abrede gestellt zu werden, aber sie ist heute noch von so vielen anderen Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten abhängig, daß sie ein Problem für sich darstellt,, das hier nicht weiter su verfolgen ist. . |pH^|eit nahezu zwei Jahrzehnten ist der Schreiber dieser Zeilenbefc&N? müht, in den Grenzen der Menschenmöglichkeit die gesamte, C&^y das heißt gespielte, gedruckte und leider auch die geschriebene deutsche Dramenproduktion zu kennen, zu sichten, in ihrer Entwicklung su verfolgen. Von all den Beobachtungen, die ihm dies Studium vermittelt hat, ist wohl eine der merkwürdigsten das epidemische Auftreten von Motiven. In gewissen Jahren gewinnt irgendein mythischer oder historischer Stoff, ohne daß eine gemeinsame Quelle •oder gegenseitige Beeinflussung der Autoren erkennbar wird, Gewalt über die verschiedensten Geister: Um 1907 zum Beispiel gewann die •Barocktragödie der Ninon de I/Enclosund ihres Sohnes plötzlich eine Cause Reihe deutscher Dramatiker. Um 1910 wurde Ariadne auf Naxos dreimal sehr erheblich und sehr verschieden für die Bühne gedichtet. Unmittelbar vor Kriegsausbruch behandelte plötzlich eine ganze Reihe von Dramatikern das tragische Motiv der Hohenzollerngeschichte, den •SonSikt Friedrich Wilhelms I. mit seinem Sohn. Und im dritten Kriegs- Jahr ward an zwei ganz verschiedenen Stellen deutschen Landes eine Fabel aus der Vorgeschichte der französischen Revolution, die Geschichte -der Madame Legros dramatisiert. Wer vom Wesen des Dramas, ja yom Wesen der Kunst überhaupt nur einige Einsicht hat, der weiß, daß diese Dinge weder zufällig noch bedeutungslos sein können. Ein alter, von vielen Generationen schon durchgearbeiteter Mythos scheint, die. Geschichte des Die Wiederkunft des 'biblischen Moiivs im jüngsten deutschem Drama' Von Julius Bab, Berlin