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Neue jüdische Monatshefte · 1918-06-10 · Heft 17 (10.6.1918) · p. Seite 392

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 17 (10.6.1918)
Article
Die Litwaki
Date
1918-06-10
Page
Seite 392 (sequence 2)
Language
German
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unwahrscheinlich ist, daß, wenn diese Litwakeneinwanderung nicht stattgefunden hätte, das polnische Judentum von der nationalistischen Bewegung unberührt geblieben wäre. Zunächst, was im besonderen die Litwaken anlangt, gilt es festzustellen, daß die Zuwanderungs m a s s e, also schon ihre Zahl innerhalb des polnischen Judentums1 relativ unbedeutend geblieben ist. Im wesentlichen sind die Litwaken nur in den großen Städten zu linden. Kenner schätzen die Zahl für Warschau auf etwa 50 000, für Lodz auf etwa 30 000 bei Ausbruch des Krieges. In den kleineren Städten und gar auf dem Lande sind Litwaken nur sehr selten zu finden. Noch wichtiger aber als dieses Mengenverhältnis ist es, ob wirklich der Beweis eines grundsätzlichen Gegensatzes, einer Feindseligkeit der Litwaken gegen das Polentum gelingen kann, und ob, wenn von einer ausgeprägteren nationalistischen Haltung die Rede sein kann, diese wirklich gerade.gegen das Polentum gerichtet ist. An dem für einen Gegenbeweis vorliegenden Material wird man mindestens nicht achtlos vorübergehen dürfen, und zu diesem Material gehört die Nachweisung häufiger Fälle von Assimilation einzelner Litwaken und auch ganzer Litwakenfamilien im polnischen Sinne. Diese Assimilation hat übrigens um so tnehr Wahrscheinlichkeit für sich, als die in das Land gekommenen Litwaken zum größeren Teil einer gehobeneren Intelligenzschicht zuzurechnen sind, und in dieser sind es gerade die weiblichen Teile der Familie, die die Vermittlerrolle mit dem Polentum übernehmen. Wie schon oben bemerkt, besuchen die Töchter mangels eigener jüdischer Unternchtsanstalten fast ausnahmslos polnische Schulen und gewinnen mit dem ihnen eigenen hohen Maß von sozialem Ehrgeiz auf der einen Seite Eingang in polnische Familien, um nach der anderen Sejte hin im Kreise ihrer Familie die Loslösung aus den Fesseln der jüdischen Überlieferung um so energischer zu betreiben. So'ging es auch bald bei den Litwakenfamilien, wenn auch viele von ihnen lange Zeit die Töchter int russische Schulen schickten. B^ier kommt aber gerade die geistige Regsamkeit, die durchschnittlich höhere Intelligenz der Assimilation besonders zustatten. So Wie. die Litwaken, wenn sie kamen, ein halb russifiziertes Element darstellten, traten gar viele von ihnen ganz entsprechend dem. allgemeinen Assimilationsgesetz, daß die gebildeteren Elemente der Assimilation leichter unterliegen, sehr bald halb polnisch auf. Es wäre :ein Leichtes, für diesen Prozeß eine Reihe-von Namen . als Beweismaterial zu liefern. Natürlich fehlt es nicht an Gegenerscheinungen,' daß Litwaken als Träger des jüdischen Nationalismus hervor-- ragen. Es bleibt dennoch falsch, eine ausgesprochen angeborene Feindseligkeit (gerade gegen das Polentum grundsatzlich bei allen Litwaken .vorauszusetzen. Bei näherer Prüfung wird diese Prämisso der politischen litwakemormel versagen. Es ist vielmehr immer und immer wieder nur •das ellgemeine Hervortreten des Litwaken gegenüber den polnischen Volksgenossen, gleichviel wo er sich betätigt, was ihn kennzeichnet. 'Es mus ja doch auch auffallen, daß diese dem Polentum feindseligen Elemente gerade die Einwanderung nach Polen gesucht haben. Und mit clor iJrase- Bach dem „Warum?" gerade dieser Zuwanderung gelangt

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