Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 17 (10.6.1918)
- Article
- Die Juden in Litauen
- Date
- 1918-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West Erschein! zweimal Im Monat unter Mitwirkung von Alexander Eliasberg / Dr. Adolf Friedemann Geh. Justizrai Dr. Eugen Fuchs / Prof. Dr. Franz Oppenheimer Mtibcgründei von Hermann Cohen niiiniuiiiiimniimiiiiiiiHiimiiiiiiiiiiitiuim^ IL Jahrgang 10. Juni 1918 Heft 17 iiimiiuiiuHimimmiimimtiuimiiiiiuiuitiimiiiin Diese Zeitschrift' ist ein offener Sprechsaal für Jedermann. Für den Inhalt der Artikel übernehmen die Autoren selbst die VeranfrsorfoiRg Die Juden in Litauen*) Von Leo Rosenberg, Berlin ereits um den Beginn des 1(5. Jahrhunderts bietet das jüdische Gemeindewesen auf polnischem und litauischem Boden das Bild einer durch festgefügte Organisation gesicherten Ordnung und Stabilität, Amtliche Urkunden jener Zeit erwähnen bereits die Bezeichnungen „Kanal" oder „Hanhaga".* Eine aus zehn bis vierzig Mitgliedern, je nach Bedeutung und Kopfzahl der Gemeinde, bestehende Kanals-Verwaltung gab es in jeder Stadt des Königreichs und des Großherzogtimis; dem Kahal der Stadtgemeinde waren die benachbarten kleinen jüdischen Siedelungen unterstellt. Die Kahalsmitgliedcr pflegten alljährlich am Chol-hamoed Pessach von den auf Grund eines allgemeinen Wahlrechts gekreierten „Wahlmännern" („Borerim") gewählt zu werden; sie bestanden im wesentlichen aus den angesehenen Gemeindebürgern, den Rabbinern und Dajanim (Richtern) und den Gabaim (Verwaltern) des Wohltätigkeitswesens. Sieben dieser Mitglieder waren in allen Gemeindeangelegenheiten beschlußfähig, und den Beschlüssen -durfte sieh niemand widersetzen; dem Kahal standen wirksame Zwangsmittel, nötigenfalls auch die volle Staatsgewalt zu Gebote. Zu den wichtigsten Obliegenheiten des Kanals zählten die Umlage, Eintreibung und Ablieferung der Staatssteuern, die Verwaltung der Bet- und Lehrhäuser, der Friedhöfe und Krankenhäuser, die Aufsicht über die Joschiwot und Chedarim, das gesamte Wohltätigkeits- und Wohlfahrtswesen, sowie die Gemeindegesehäfte jeder Art. Er übte auch im *) Die nachfolgenden zwei Abschnitte sind der im Verlage der „Neuen •Jüdischen Monatshefte" demnächst erscheinenden Broschüre „Die Juden in Litauen'4 entnommen, in deren drei Abschnitten: Geschichte, Bevölkerung und Wirtschaft und Politische Fordeningen eine erschöpfende Darstellung der jüdischen Frage in Litauen gegeben wird. D. Red.