Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1918)
- Article
- Der Dozent
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 378 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2908689-2908714-2908728-2910896--1706-2910950- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Auch das Besondere »einer wissenschaftlichen. Persönlichkeit innerhalb der ganzen Schar der Zeitgenossen wurzelte wohl irgendwie hier. Er war ja vielleicht der einzige in seiner ganzen Generation und selbst noch der nächstfolgenden, der die ewigen Grundfragen der Menschheit,. die Fragen, die um Tod und Leben kreisen, nicht mit rschemwisßenschaftlicher Vornehmheit beiseite schob oder in schwächliches Gefühls- und Geistgekräusel einwickelte, sondern sie in großem 'iivA reinem Sinn orgriff. So ka.nn es auch unmöglich ein Zufall gewesen sein, daß er, wiederum als einziger unter denen, die in diesen Jahrzehnten überhaupt noch der Philosophie selbständige wissenschaftliche Kraft zutrauten, das System nicht bloß zu geben versprach, .sondern wirklich gab. Eben daß.er dem Wesentlichen nicht auswich, ließ ihn auch dem Wesentlichsten, der Frage nach dem Ganzen, nicht •ausweichen. Er hatte ein ursprüngliches, kein bloß angelerntes Ver- ■'h&linis zu den letzten Fragen. Das trieb ihn über das System hinaus endlich zum unmittelbaren Auge in Auge mit diesen Fragen In seiner letzten theologischen Epoche. Erst hier, in. dorn Siebzigjährigen, brach vielleicht das zutiefst Kindliche , dieser ..großen Seele ganz ans Licht, das .„Kindliche" im Sinn de.> Worts aus der Marienbader Elegie. — „so bis-t du alles, bist unüberwindlich44. Er war. eben im Grunde ganz einfach. Er war ein frommer Mensch. „Jetzt aber will ich zu Euch aus dem jüdischen Geiste und Herzen heraus sprechen, wie wenn ich mein Vermächtnis Euch überliefern wollte. Erkennet und erfüllet Euren Geist mit dem Gedanken, .daß in diesem Glauben an das einzige Sein Gottes unser jüdischer Idealismus beruht, der in allen praktischen Beziehungen der Ethik ■?m wetteifern vermag mit dem reinen wissenschaftlichen Idealismus. In diesem Glauben hat der Psalmist alle Güter der Erde und des Himmels selbst verschmäht und verachtet (Ps. 51). In diesem Glauben hat unsere Religion allen Eudämonismus überwunden, hat das irdische Glücksgefühl als Maßstab verworfen für den Wert und die Würde des Menschenlebens. Das ganze menschliche Dasein kann und •soll keinen anderen Sinn haben als den allein, den das Sittengesetz, den-der Aufruf der Thora zur Heiligkeit ihm verleiht.....Das Reich der Vernunft aber ist das Reich der Sittlichkeit, das Reich Gottes (Elalchuth Schamaiicn), und das Joch dieses Gottesreiches nehmen wir .auf uns, ^ooft wir,in wahrer Andacht ,Hore Israel' bekennen." (Aus Cohens „Mahnung" des Alters an die Jugend".)