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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 376

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Zur Erinnerung an Hermann Cohen
Date
1918-05-10
Page
Seite 376 (sequence 3)
Language
German
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376 immer nur für die Einheit; derin aller Dualismus war ihm ein Greuel, imä Bergsems Seelenantithese von Intuition und Verstand war ihm nicht nur ein Irrtum, sondern ein& Sünde, da ihm das Wahre eins war mit dem Guten. In dieser Zeit der blendendsten, streitendsten Widersprüche genoß er fast allein das hohe Glück der Einheit und Ganzheit,* der seelischen Geschlossenheit, und lebte es aus seiner Seele heraus bis zum Höchsten und fand in Gott wesentlich die Sanktion und dab Siegen für die Einheit von Natur und Sittlichkeit, für die Einheit von Ideal und Leben. Man erzählt, daß er mit dem Weltkrieg schon im Anfang fertig war' und kühl blieb gegen alle Neuigkeiten und Wechselfälle des Tages, nachdem er sich einmal vom Rechte Deutschlands überzeugt hatte; denn diesem wahren Überkantianer ward die quaestio facti ohne weiteres zur quaestio juris, und daß das Recht siege, war ihm nicht etwa Wunsch oder Hoffnung, war ihm lebensnotwendige Tatsächlichkeit,, ja Selbstverständlichkeit. In diesem Geist des Gesetzes endlich, der immer kategorisch, imperatorisch nur „Aufgaben44 stellte, die ihm soviel mehr galten als alle indikativen Gegebenheiten, alle hypothetischen Rücksichten, alle disjunktiven Vcrklausulierungen, alle Konjunktive und Optative der Liebe, in diesem Geiste ethischer Männlichkeit fand er "sich wieder in Kant, im deutschen Idealismus, wie er ihn sah, und zugleich in der Gesetzesreligion des Judentums, deren Geist sich ihm wie in mathematischer Gleichung zusammenschloß. Mag er in der großzügigen Einseitigkeit seiner Natur über alle realen Differenzen hinweg zu rasch geschlossen haben, dieser Schluß war sein Leben, diese Einheit von Deutschtum und Judentum, die er beide mit gleicher Liebe umfaßte, wenn auch beide einseitig, war in ihm so ehrlich erlebt, so innerlich notwendig wie der Schluß vom Partikularen zum Universalen oder symbolisch von der Enge des kleinstädtischen Studienzimmers in die weltstädtische Weite'der Humanität. Und mögen sie über und unter der Oberfläche noch so sehr streiten, irgendwo in den Tiefen des Menschlichen treffen sie doch zusammen, jene beiden Yolksgcister oder doch ihre Idealismen, und da. im letzten behält Hennann Cohen doch recht, weil er mehr als andere in der Idee lebte, und gehört der Idee nicht die Ewigkeit? Der Dozent Eine, persönliche Erinnerung von Dr. Franz Rosenzwoig (im Felde) Wwflfck ^albe &crmann Cohen erst in seinen Berliner Jahren gehört. " Auch gelesen hatte ich vorher, außer einigen jüdischtheolol^.lä^ gischen Gelegenheitsarbeiten, so gut wie nichts von ihm. Sowohl'.dies- Gelesene, das mich kalt und grau anmutete, als besqnders^ <eda allmählich großgewordencs grundsätzliches Mißtrauen gegen'alles,..

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