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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 374

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Die religionsphilosophische Bedeutung Hermann Cohens
Date
1918-05-10
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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:. Auch .hi.or begnügt sich Cohen nicht mit dem freien Wurf gedanklicher Konzeption, sondern alsbald regt sich in ihm das Streben nach historischer Beglaubigung und Bestätigung. Da ist es denn der fundamentale Begriff des „leidenden Knechtes14 bei D e u t e r o j e s a j a h, der ihm unter dem Gesichtspunkte sozial-weltbürgerlicher Verantwortlichkeit die Ideen widerspiegelt, die das grundlegende Moment seiner Jndlvidualreliglon bilden. Aber Cohen greift nicht nur auf die Belege aus den' Propheten und Psalmisten zurück, sondern das ganze Judentum von seinen Uranfängen bis zu seinen letzten Ausläufern gilt ihm als Zeuge für die Wahrheit und Reinheit seiner Idee. Was er hier in seinem letzten Werke ausführt, ist Viel zu groß und weitumfassend, als daß es mit wenigen Worten auch nur angedeutet werden könnte. Nur das eine soll hier gesagt werden: Wer mit solcher Genialität auch in die kleinsten Fugen des jüdisch-religiösen Baues hineinzuleuchten vermag, lim die kostbaren Schätze ethisch-religiöser Lebensweisheit aufzudecken, der muß nicht nur das Judentum aufs tiefste erkannt und erfaßt, er muß es auch erlebt und hingehend geliebt haben. Diese Liebe zum Judentum ist für Cohen das Zaubermittel, mit dem er die Probleme des Judentums und der Menschheit für Generationen geklärt, erhellt und gelöst hat. . Zm. Erinnerimg m Hermann. Cohen Von Prof. Dr. Karl Joel, Basel r^^j^0I|enn hier nach den Berufenen über Hermann Cohen nöch G.^^^0 jemand sich äußern soll, der bei aller Gemeinschaft der WvcöS^©* Interessen nicht unmittelbar sein Mitarbeiter war auf philosophischem oder jüdischem Gebiet, so kann es nur gelten, den persönlichen Eindruck m kennzeichnen, wie -er sich so aus halber Nähe und halber Ferne ergab in steter Schätzung und doch zugleich in stetem Staunen. Und ich staunte allerdings, als ich nach früheren kürzeren Begegnungen H. Cohen zuerst nähertrat Nach seinen älteren Schriften stand er mir vor Augen im Bilde eines heraklitisch „dunklen Weisen", dines Magus dos Nordens, eines scharfen, reifen, ja überreifen Gelehrten, de? ans dem akademischen Kloster der Kleinstadt weltfern einen harten, Izcrbon Kationalismus dozierte, dem sich alles Sein nur im Denken beglaubigte, ja nur im Denken erzeugte, der die Welt der Natur mathematisch und die Welt der Kultur juristisch demonstrierte, kurz, der die bt^ie, schöne Wjelt aufgehen ließ in dialektische) Abstraktion.;; Doch wo fand ich ihn wieder? In Korn, spät abends im Cafe fe^no, Ringsumher, lachende, leichtlebige Italiener, und er selber F-prüliend von Temperament, von Lebensfreude, dort durch jährliche Besuche-längst schon heimisch, wohnend „wie ein Student14 mit seinem t^ton Kameraden, seiner regsamen, hochmusikalischen Gattin, und er zz&z? die Garen voller Musik und die Augen voll kindlich warmer, aufrklüi-er Freude an Raffaels, Wunderwerken. Und ich staunte: bei so schwerer deutscher Abstraktion so viel südliche Schaufreude, bei so

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