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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 370

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Die religionsphilosophische Bedeutung Hermann Cohens
Date
1918-05-10
Page
Seite 370 (sequence 2)
Language
German
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370 Sisyphusarbeit herabdrücken; Gott ist ihm auch nicht beides 'zugleich, er würde sonst Logik und Ethik miteinander identifizieren und damit die Ethik oder die Natur vernichten. Was aber kann Gott noch sein, wenn diese landläufigen Auffassungen bestritten werden? In der Beantwortung dieser Frage zeigt sich Cohen in seiner ganzen philosophischen Meisterschaft. Gott muß als philosophischer Begriff nicht nur die Grundlegung einer bestimmten Art des Kulturbewußtseins bedeuten, sondern die ganze Kultur: Logik, Ethik und Ästhetik müssen für Cohen in dem Gottesbegriff ihre Begründung und Rechtfertigung erhalten. Mit dieser Theorie allein kann ein Verständnis für .Cohens historische und systematische Arbeitgewonnen werden. Seine ganze Arbeit gipfelt nämlich in dem Bestreben, den Idealismus zum durchgreifenden .Weltprinzip zu erheben. Der Idealismus aber ist im Sinne seiner Begründer die restlose Erzeugung der Kultur aus der Vernunft, Dadurch erst ist es möglich, die Einheit-.'der Kultur zu erreichen, worunter man ausschließlich die harmonische Übereinstimmung zwischen Natur, Geisteswissenschaften und Kunst zu verstehen hat. Harmonie aber bedeutet nicht Identität der Gegenstände, sondern Identität der Methode. All die erwähnten Kulturgebiete sind deshalb eine Abwandlung der einheitlich wirkenden und gestaltenden Vernunft, weil sie die Ausprägungen ein und derselben logischen Grundstimmung darstellen. .Kommt nun Cohens philosophische Reflexion zu dem Schlüsse, daß das Gebiet der Ethik, der reinen Humanität, allen andern Gebieten des Bewußtseins übergeordnet ist, daß also Logik und Kunst vor der Ethik zu kapitulieren haben, so gibt es keine Instanz, die diese Souveränität der Ethik erschüttern kann. Denn all jene Kulturgebilde sind Schöpfungen einer Vernunft und kraft ihrer aus der gemeinsamen Vernunft stammenden Methodik aufeinander bezogen und angewiesen. Würde sich nun etwa die Naturwissenschaft weigern, sich vor der Ethik zu beugen, weil die Logik einen derartigen Ausgleich zwischen Kausalität und Ideologie nicht anzuerkennen vermag, so erwidert hierauf die Kritik der Vernunft, daß die Übereinstimmung zwischen Sollen und Sein, zwischen Grund und Zweck, zwischen Ideal und Leben durch die E i n h e i t der Vernunft für alle Zeiten verbürgt ist. Wenn nämlich die Vernunft über die Kraft verlügt, alle Gebiete der Kultur spontan und selbständig ins Dasein zu rufen, so muß sie auch für die Ein- und Unterordnung aller Kulturzweige zugunsten einer geschlossenen Einheit das* Recht besitzen. Damit ist die Alleinherrschaft der Vernunft zu ihrem sinngemäßen Ausdruck gekommen, und damit hat die Ethik die Grundlage für ihre Erfüllung erhalten. Man sieht, daß. sich die von Cohen begrifflich formulierte Einheit der Vernunft vollständig mit der Einheit des jüdischen Gottesgedankens ücc-ifc; denn der Gott der Propheten, der in der messianischen Zeit die Yo^irTdiehung der Ethik vollzieht, ist nur ein poetischer Ausdruck für die logische Formel, daß die Einheit der Vernunft den Sieg •der Ethik bedeutet. So erweist sich für Cohen die Lehre der Propheten als eine wunderbare und unbegreifliche Vorschau in das

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