Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 15-16 (10.5.1918)
- Article
- Hermann Cohens Philosophie des Judentums
- Date
- 1918-05-10
- Page
- Seite 358 (sequence 1)
- Language
- German
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353 Hermann Cohens Philosophie des Judentums ■'. Eine Darstellung ihrer Grundzüge. Von Dr. Jacob K1 a t z k i n, Vitznau. Quellen: Ethik des reinen Willens (2. Aufl, 1907); Religion und Sittlichkeit (1907); Der Begriff der Religion im System der Philosophie (1915); Liebs und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch (Jahrb. für jüd. Gescb, u. Liter. III, 1900); Autonomie und Freiheit (Gedenkbuch für David Kaufmann, 1900); Innere Beziehungen der Kantischen Philosophie zum Judentum (XXVIII. Bericht der Lehranst. ' f. WIss.d. Jud,, 1910); Die Bedeutung des Judentums für den religiösen Fortschritt der Menschheit (1910); Das Gottesreich (1913): Spinoza über Staat und Religion, «Judentum und Christentum (Jahrb. f. jüd. Gesch. u. Religion 1915); Deutschtum und Judentum (1916); 1. Hermann Cohen war als Philosoph der strengste Idealist unserer Zeit. Er selbst hätte diesen Satz als eine Tautologie beanstandet. Die Prädikate: Philosoph und Idealist waren ihm Begriffe, die sich gegenseitig und durchgängig bedingen. Der Materialismus bedeutete ihm nicht nur eine ethische, sondern und vornehmlich eine logische Vcrirrung. Sein System der Philosophie ist ein System, des Idealismus. Logik der reinen Erkenntnis, Ethik des reinen Willens, Ästhetik des reinen Gefühls — diese Reinheit meint nichts anderes als die Reinheit des Idealismus: rein vom Gegebenen, Heterogenen, Dinghaften, vom Stofflich-Gebundenen, das nicht Erzeugung, Selbsterzeugung ist. In der Logik wird diese Reinheit als Idee, in der Ethik als Freiheit, in der Ästhetik als Ideal beglaubigt. Es ist nicht der träumende Idealismus, es ist Idealismus als Wissenschaft, als Methode: 'der kritische Idealismus. Er verkündet die Macht der Vernunft und kämpft gegen alle Mystik und Romantik in der Philosophie. Die Wissenschaft ist ihm alleinige Quelle der Wahrheit und mithin der gesamten Geisteskultur. Daher soll die Philosophie, wenn sie nicht geistreiche Einfälle und Stimmungen, sondern ein System der Wahrheit darstellen soll, in den Prinzipien der exakten Wissenschaften Rechenschaft ablegen. So hat Kant die Methode Newtons auch in ihrer philosophischen Dignität anerkannt, während Spinoza die Philosophie in Religionsphilosophie, die Metaphysik in Ethik aufgehoben hat. Hier ist der geschichtliche Unterschied zwischen wissenschaftlicher Philosophie und romantischem Denken der Intuition. Plato, Kepler, Galilei, Newton, Leibniz, Kant sind daher für Cohen die Klassiker des wissenschaftlichen Denkens. Es ist die große philosophische Tat Cohens, daß er den Idealismus zuvörderst in der Erkenntnistheorie begründet und ihn von ihr aus den Weg zu den anderen Disziplinen nehmen läßt. Dadurch ist er zum Begründer einer neuen Schule des rigorosen Idealismus geworden. Ob ein Denker als Idealist zu bezeichnen ist, darüber entscheidet eigentlich nicht seine Sittenlehre, sondern seine Erkenntnistheorie. Denn eine