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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 357

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Nachruf an Hermann Cohen
Date
1918-05-10
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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Nicht weniger versteht sich im engsten Zusammenhang mit seiner persönlichen Eigenart Cohens sachliche Stellung zur Religion. Konnte es in seinen früheren Darlegungen noch scheinen, als löse die Eeligion sich ihm einzig in Ethikauf, so haben seine letzten, tieferdringenu^ Arbeiten darüber keinen Zweifel gelassen, daß er die Eigenheit &v. Religion in der absoluten Einzigkeit und Individuität persönlichen Er< .lebens bestimmt erkannt hat. So allein entspricht es der nur immer wachsenden Wärme und Tiefe seiner eigenen Religiosität. Und wenn er, wie gesagt, schon aus seiner ethischen Grundstimmung am ideal begriffenen Judentum nicht nur unerschütterlich treu festgehalten, sondern sich mit immer innigerer, fast leidenschaftlicher Liebe ihm hingegeben hat, so hat er doch auch einem in gleicher Idealisierung gedachten Christentum nicht bloß volles Verständnis, sondern auch warme Sympathie entgegengebracht. Ich bezeuge es besonders gern gerade an dieser Stätte und in dieser. Stunde ihm als Christ dem Jucvtj, daß die Pietät gegen die eigene Religionsgemeinschaft weder für Ltj noch für mich je ein Hindernis gewesen ist, daß wir auch im Religiösen uns gegenseitig zu verstehen und im letzten Grunde einig'zu fühl* vermochten. Strebe doch jeder, Jude wie Christ, seine Religion zu der Tiefe und Reinheit durchzuarbeiten, wie Cohen es getan hat, darr werden beide einander nicht bloß dulden, sondern voll anerkenn?.«: können, als auf verschiedenem Wege doch nach einem Ziele Iii?- wandelnd. Nur ein Letztes noch darf neben dem Heiligtum der Religion, wenn auch mit Scheu, berührt werden: die Liebe; die Liebe, die nur oim;: dem einzigen und auf immer gegeben wird. Cohen hat sie erfahren dürfen. Wenn aber in ihm am meisten s i e verliert, die ihn am tiefsten besessen hat, die bis zum letzten all ihr Leben an ihn hingegeb en Im':., dann mag in dieser geweihten Stunde das ihr zum Tröste dienen: es ist ein Großes, "das * ihr damit zuteil geworden ist, daß sie dieser Mann, nicht in dem oder jenem Stück, sondern ganz erleben, sein ganzes, innerstes Leben mit ihm teilen durfte. Das ist etwas Einziges, Unvergleichliches, ewig Unverlierbares, das kann kein Tod ihr rauben, es ruht ewig in Gottes Hand, und wird durch die Vollendung ues irdischen Lebens nur fester, reiner, geschlossener in ihr fortleben. Und so werden wir alle, wenn wir seinem Sinne treu bleiben, voa dieser Stätte scheiden. nicht in haltloser Trauer, sondern in der Erhebung des Bewußtseins: Er, Hermann' Cohen, war, und er war unser, nein, er ist, er bleibt, er lebt uns und wird, so viel uns gegeben ist, in uns, durch uns weiter leben. Das sei uns die Krone der Unsterblichkeit, nicht des Gedächtnisses allein und des Ruhmes, sondova des Kampfes und Sieges des ewigen Göttlichen, für da^ er gelebt, tun das er lebenslang gekämpft und gesiegt hat: der Idee.

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