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Neue jüdische Monatshefte · 1918-05-10 · Heft 15-16 (10.5.1918) · p. Seite 347

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 15-16 (10.5.1918)
Article
Hermann Cohen
Date
1918-05-10
Page
Seite 347 (sequence 1)
Language
German
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' ' Hermann Cohen Worte gesprochen an seinem Grabe am 7. April 1918 von Prof. I>r. Ernst Cassirer, Berlin. B"l^^llicht VOn C*er Lcistun£ Hermann Cohens — nicht von dem, ^ffil^lfe was er ^s Denker und Forscher der Philosophie und Wüssen- SllB&ilb schaft gegeben hat, kann ich in dieser Stunde zu Sprecher, versuchen. Das Urteil hierüber gehört der Geschichte an — und. je allgemeiner die Kenntnis und je' tiefer das Verständnis der Werke Cohens iin Laufe der Geschichte werden wird, um so bestimmter und unzweideutiger wird ihr Urteil über die Gesamtheit seines Wirken lauten., Nur in einem begrenzteren und schlichteren Sinne, nur;-..b sein Schüler und als sein Freund kann und darf ich hier von Coücp reden. Und da ist mir, in dein Augenblick, da wir ihn für i:v-r verlieren, vor allem die Zeit gegenwärtig, in der er mir, vor mohr als zwanzig- Jahren, zuerst als Lehrer nahegetreten ist. Ich dar' mit diesen persönlichen Erinnerungen beginnen; denn sie besitzen für die Erkenntnis seines Wesens zugleich allgemeine Bedeutung tmc typischen Wert. Es waren die Kant-Bücher Cohens, aus denen ich ihn und seine Lehre zuerst kennen lernte. So war es kein einfacher und ebener Weg, der mich zu ihm hinführte; denn diese Bücher galten damals und gelten zum Teil noch heute als die schwersten BiK'-or der philosophischen Literatur. Und mir selbst, dem Anfänger in e.-ir Philosophie, fehlte es für ihr Verständnis noch an jeglicher methoäi:r/.\or Schulung und Vorbereitung — fehlte es zum großen Teil an den ersten und wesentlichen geschichtlichen und systematischen Vorkenntnissen. So vermochte ich in das schwierige begriffliche Gefüge dieser Werke nicht sofort Einblick zu gewinnen; so vermochte ich das System a-- Ganzes nur ganz allmählich zu übersehen und zu würdigen. Abo* was ich vom ersten Augenblick an begriff und was in mir den *:ostf3t; Entschluß reifen ließ, nicht eher abzulassen, als bis ich-diese E :h ganz bewältigt und ganz durchdrungen hätte: das .war das B,"k : großen Persönlichkeit, das mir aus ihnen entgegenleuchtete. £•> vermochte ich den Gedanken Cohens nicht bis in ihre letzter. .cro liehen Tiefen zu folgen; aber die Gestalt des Dinkers wa:;:!r mich von Anfang an licht und klar. Dieser unbedingte Wahrhrt , 'diese Kühnheit und Eigenart der Auffassung, dieser Mut zur le-z/ systematischen Konsequenz: das war es, was mich immer wieder r; diesen Werken zurückführte und was mich unwiderstehlich bei?Mo: . festhielt. Und wie wurde mir dies nun alles bestätigt, wie zeigte sich zugleich in einem ganz neuen und helleren Licht, als ich <' '-y., fast zwei Jahre später, Hermann Cohen selbst gegenüberstand. Zv r im ersten Augenblick unserer Bekanntschaft fand ich nicht sofort, far Entschluß und das-rechte Wort zur personlichen Annäherung, . o;> stand in befangener Zurückhaltung vor dem Manne, der für mich so unendlich viel bedeutete. Fast widerstrebte es mir, zu tarn, b dem ich so lange Zeit die eigentliche Verkörperung der Sache Philosophie und ihrer Sachlichkeit gesehen hatte, von mir sei'— - '

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