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Neue jüdische Monatshefte · 1918-04-10 · Heft 13 (10.4.1918) · p. Seite 312

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 13 (10.4.1918)
Article
Eine Ehrenschuld
Date
1918-04-10
Page
Seite 312 (sequence 4)
Language
German
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312 Vielleicht kommt noch die Zeit, in der man Sinn und Erkenntlichkeit findet für ihren Mut der Überzeugung-, für die heldenhafte Treue, mit der sie ihre verhaßten Kennzeichen, Kaftan und Stirnlocken unentwegt in der feindlichsten Umgebung beibehielten, für die ungeheure, von ihrer Intelligenz und ihrer Lebensfreude zeugende Geduld, mit der sie alle Unbilden trugen, für die unvergleichliche Art, in der sie sich allenthalben zu finden, zu einen und zu stützen verstanden. Vielleicht reift noch einmal die Erkenntnis, welche den Abschaum der Abenteurer, Kottenhändler, Spieler und Schmuggler von der großen breiten Masse der Flüchtlinge sondert und ihr gerecht wird. Ü3EBQDE1 hl hlin«i Umschau OBOBlIOOSQBiniöIlOB "Deuischland ^otSsen zur GemelndepoMtsk, 1. Die Frage, der gesetzlichen Organisation der preußischen Judenlieit steht wiederum zur Erörterung. Der „Verband der Deutschen Juden" und der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" haben sich gegenseitig ihrer Geneigtheit zu erneuten Arbeiten auf diesem Gebiete versichert. Ob die Bestrebungen dieses Mal zu einem glücklicheren Ende führen werden als bei dem letzten großen Versuche von 1909, läßt sich nicht absehen. Sicher ist aber, daß der Kampf innerhalb der Judenheit kaum weniger lebhaft entbrennen wird. Schon jetzt bilden sich die Schlachtreihen. Und doch sollte der positiven Regelung der Frage von der einen Seite mehr Verständnis entgegengebracht werden; die andere Seite sollte sich etwas mehr Selbstbeschränkung auferlegen — und ein brauchbares Ergebnis wäre sicher.. Die Notwendigkeit einer staatlichen Organisation hinsichtlich der Finanxverhältnisse der Gemeinde kann nicht verkannt werden. Die jüdischen Wanderungen von der Kleinstadt in die Großstadt, von der Großstadt nach Berlin haben Echon längst die Kleingemeinden leistungsunfähig gemacht und in einigen begünstigten G roßgemeinden SlouerkrUfte zusammengebracht, die — namentlich wenn sie gerecht und in annähernd gleichem Maße wie in den kleineren Gemeindon ausgenützt würden — Erträge ergeben, die weit üoer die Bedürfnisse hinausgehen. Der freiwillige Ausgleich, den zu beschaffen man bisweilen sich redlich bemüht, kann nur die schlimmsten Härten beseitigen, in keinem Falle eine befriedigende Losung bringen. Jede private und freiwillige Leistung wird aber die bedürftige Kleingcmeinde in Abhängigkeit von.der aus ihrem Überfluß abgebenden Großgcrneinde bringen. ^.Es entsteht die größte Gefahr, daß Wohlverhalten im Sinne der Spender in Bewilligung, Selbständigkeit in der Verwaltung und Abweichung von den erwünschten Grundsätzen Versagung bringen. Gerade das System des freiwilligen Ausgleichs schafft Abhängigkeit und kann zur Korruption führen. Hier muß der Staat mit starker Hand eingreifen. Er soll die Provinzialgemeinde und die Landesgemeindc schaffen, ihnen durch Zubilligung von Steuerquellen Geldmittel gewähren und ihnen wirtschaftliche und soziale Aufgaben übertragen. Er soll für die wirtschaftliche Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Kleingemeindcn sorgen indem er ihnen die Mittel zuweist, deren sie zur Erfüllung ihrer lokalen Aufgaben bedürfen. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit ist eino sehr bedeutsame Voraussetzung für religiöse und kulturelle Selbständigkeit. Daran sollten diejenigen denken, die aus der Befürchtung des Verlustes der Freiheit der Religionsausübung jede „Zwangsorganisation" bekämpfen. Eine „Kirche" freilich — und diese Selbstbcschränkung muß von den Freunden der staatlichen Organisation verlangt werden — soll und darf nicht geschaffen werden. In religiöser Beziehung sollen den Ge-

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