Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 13 (10.4.1918)
- Article
- Die Judenfrage in Rumänien [Rezension]
- Date
- 1918-04-10
- Page
- Seite 293 (sequence 3)
- Language
- German
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293 Unsere Regierung wünscht so weit wie möglich in den Bahnen der Bismarckschen Politik zu wandeln. Hier hat sie einmal volle Gelegenheit dazu. „Anfang Juli 1879 ließ Graf Andrassy die rumänische Regierung wissen, daß'Fürst Bismarck an der Ausführung keines anderen Artikels so hänge, wie an der des Artikels 44, und daß er kein Vertrauen zu dem guten Willen der rumänischen Regierung habe. Bismarck sei der Ansicht, daß Rumänien erst nach Lösung der Juden frage in den Besitz seiner Unabhängigkeit tritt.....Fürst Bismarck habe zu verstehen gegeben, daß er in dieser F r a g e d i e Würde des Deutschen Reiches für engagiert ansehe und sein Projekt einer Konferenz aufrecht erhalten müsse, wenn andere Mittel nicht zum Zweck führen sollten'4 (S. 43). Wir holTen annehmen zu dürfen, daß die Nachfolger Bismarcks wissen werden, die „Würde des Deutschen Reiches'4 zu wahren und einen faulen Schuldner zur Einlösung eines Wechsels zu zwingen, den das Deutsche Reich und V o 1 k mit seinem Giro versch en hat; es gilt, ein feierlich gegebenes Wort einzulösen. Heute ist die Zeit dazu gekommen. Oder sollte man vielleicht fürchten, die Empfindungen der völlig verkommenen Klasse zu schonen, die,- größenwahnsinnig und bestochen, eines schwachen Königs feierlich abgegebenes Wort über den Haufen rannte und ihr unglückliches Land zum Wortbruch und Krieg gegen den alten treuen Bundesgenossen verführte?! Die Antisemitenliga behauptet in einem ihrer Manifeste, die Gleichstellung der Juden würde dos Volk demoralisieren; nun, man mag die angeborene Rassenbosheit der Juden noch so hoch einschätzen; eine schlimmere Demoralisation als die rumänische während der erster, zwei Jahre des Weltkrieges hätte auch sie nicht herbeiführen können! Keine ärgere Treulosigkeit und keinen'schamloseren Schacher! Die Zeit der Judenhetze und des religiös vermummten Konkurrenzkampfes ist vorbei, nachdem der Zarismus gefallen ist. 'Wenn Deutschland jetzt nicht den Skandal abstellt, für den es als Garant des Berliner Vertrags mitverantwortlich ist, wenn es jetzt Otto Bismarcks Unterschrift nicht zur Einlösung bringt, nachdem eine unverschämte Clique jahrzehntelang dem Reiche buchstäblich auf der K;i.:,e herumgetanzt ist, dann wird die öffentliche Meinung der übrigen Welt, des Westens, des neuen Rußlands und vor allem Amerikas, die Reform erzwingen. Und Deutschland wird wieder einmal eine prachtvolle Gelegenheit verpaßt haben, sich als Wardein der Kultur und des Rechtes zu bewähren. Die Zeitungen melden: In seiner Rede vom 2. April 191S erklärte Graf C z e r n i n : „Wir werden ferner Vorsorge treffen, daß die katholische Kirche und unsere Schulen den staatlichen Schutz erhalten, dessen sie bedürfen, und wir werden die Judemfrage lösen. Die Juden werden f o r t - n n gleichberechtigte St n a t s b ü r g e r in Rn m ä n i <t n 55 e i n.u