Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 12 (25.3.1918)
- Article
- Soziologische Tagebuchblätter
- Date
- 1918-03-25
- Page
- Seite 286 (sequence 3)
- Language
- German
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286 Ein entschlossenes Bekenntnis zum Minoritätsreclit würde Deutschland und Österreich in die günstige Lage .versetzen, gegenüber dem sham und cant der Gegner den Spieß umzudrehen und sie schwer ins Unrecht zu setzen» „Schon längst hätte Österreich bei entsprechender Politik im Innern und im Äußern das Nationalitätenrecht nicht zum Gegner, sondern zum Bundesgenossen. Statt wie bisherv vor dem Richterstuhle dieses . . . Prinzips auf der Anklagebank zu sitzen, kann unser Vaterland als Ankläger alle anderen großen Staaten vor diesen Richterstuhl rufen. Es braucht nur eine einzige Forderung gegen die anderen Staaten zu erheben, und diese Forderung lautet: Schutz der Ii a t i o n a 1 e n Minderheiten4* (p. 19). „Schon die Aufrollung der Frage würde uns eine politische Waffe in die Hand geben* die, wenn sie geschickt geführt würde, unsere Stellung bei den Friedensverhandlungen und in dem künftigen geistigen Kampfe mehr festigen würde als eine Reihe siegreicher Gefechte oder wirtschaftlicher Erfolge. Auch das Deutsche Reich könnte sogar um den Preis verhältnismäßig bescheidener, geschweige denn gründlicher Reformen in beziig auf die Stellung seiner nichtdeutschen Nationalitäten die gleichen politischen "Vorteile auf seine Seite bringen, und es wird sich um so leichter zu einem derartigen Schritt entschließen können, als ein kulturell so hochstehender Staat die Forderung nach solchen Reformen auf die Dauer aus rein idealen und humanitären Gründen nicht abweisen kann.*1 Das gleiche wird von Ungarn gefordert. Unsere Leser wissen, daß das genau die gleichen Gedanken sind, für die wir von jeher gekämpft haben. Wir stehen nach wie vor, trotz des Gebelfers der Nationalisten und Reaktionäre in aller Welt, auf dem Standpunkt, daß diese Gedanken auf dem Marsche sind und ihr Ziel erreichen werden. Im ganzen Umfang des früheren Zarenreiches haben sie gesiegt, auch inder antibolschewikischen Ukraine; fast alle Schwierigkeiten des jungen Polenstaates in diesem Zeitpunkt stammen nur daher, daß seine jetzigen Machthaber, in veralteten staatsmännischen Auffassungen befangen, sich diesem unwiderstehlichen Marsche eines Prinzips entgegengestellt haben, das siegen muß, weil es. einfach nicht mehr anders geht, weil Europa sonst im Blutschlamm ersticken muß. eSOSiBOUGBSDGDnD Umschau mini n ii mmimriij T&tutsdtland Der Reichskanzler über die rum&niscSie Judenfr&ge Der 11 cichskanzlcr empfing am Freitag, den 15, März, nachmittags Uhr die Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer der neu gegründeten Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands zur Wahrung der Rechte der Juden des Ostens, welche 3hm die Wünsche der deutschen Juden wegen uiner Regelung der r u m Ii n i s c h e n J u d o n - frage im Zusammenhang mit den Friedensverhandlungen in Bukarest vortrugen. Nach Anhörung der eingehenden Darlegungen der Herren erklärte der Reichskanzler, daß die Kaiserliche Regierung an einer befriedigenden Regelung der rumäni-