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Neue jüdische Monatshefte · 1918-03-25 · Heft 12 (25.3.1918) · p. Seite 271

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 12 (25.3.1918)
Article
Ein Brief
Date
1918-03-25
Page
Seite 271 (sequence 3)
Language
German
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27 t Daß weiterhin — wie Sie behaupten — der Haß, der den Deutschen als „Barbaren, Boches, Hunnen" u. dgl. von Seiten der ganzen Welt entgegenlodert, in der Dummheit dieses Volkes begründet wäre, ist mir neu. Dieser Haß gleicht, was hier früher gestreift wurde, in vielen und wesentlichen Stücken dem aliweltlichen Judenhaß, und beide gelten Objekten, die nach Ihrer Bezeichnungsweise die „subalternen Eigenschaften" der „Gescheitheit zweiten Grades" besitzen, d. h. klug, nüchtern, anpassungsfähig, praktisch u. dgl. sind. Einer mit „jüdischem Verstände" könnte da den entgegengesetzten Schluß ziehen: Der Haß gegen den Juden ist wohl, ganz analog Ihrer Behauptung, bezüglich des Deutschen, nur der Ausdruck für die „alle Jahrhunderte hindurch gleichgebliebene Empfindung, daß man ihn für dumm hält", und da ja Ihrer Meinung nach nur die dummen Völker kultursehöpforisch sind, ergo könnten die Juden kulturschöpferisch sein. Ich wiederhole: Nicht die Unnahbarkeit Ihrer Ansichten nachzuweisen* ist der Zweck dieses Briefes. Sie könnten sich auch auf das von Ihnen so sehr gepriesene „Recht der Menschheit auf Unsinn" berufen. Denn Sie schreiben: „. . . spezifische M.ännerberufe, deren Inhalt, kurz gesagt, der schöpferische Nonsens ist. Es wird immer die höchste Aufgabe des Mannes bleiben, das Recht der Menschheit auf Unsinn zu verteidigen." Ich mußte nur in puncto Juden gegenüber einem Juden meinem — wie soll ich mich anständig ausdrücken? — Erstaunen Ausdruck verleihen. Genehmigen Sie usw. Dr. Abraham Schwadron. Wege und Irrwege S t r e i f z ü g e d u r c h das neue Judentu m Von Heinrich M a r g u 1 i e s , z. Zt. Krakau ^tir noch wenige Gläubige dienen der Fiktion von der Einheit des Judentums. In Wahrheit zerblätterte sie längst. Seitdem der neuerwachte Nationalgedanke Anspruch auf seinen Platz an der Sonne erhob, seitdem er sich mehr und mehr in den Vordergrund drängte und gegen die bisherige Theorie vom Judentum als einer reinen Konfession den Kampf begann, hat sich der Blumenkranz jüdischer Anschauungen weitergerankt und bunte, oft eigenartig anmutende, manchmal bizarre Blüten sind ihm entsprossen. Diese Buntheit werten wir als einen Fortschritt, nicht als Zerfall. Das Judenvolk ist ein Volk wie jedes andere: eine Summe von historischen, gedanklichen, sprachlichen und gefühlsmäßigen Gemeinsamkeiten. Ein Volk darf nicht mit einer Komponente seines Wesens identifiziert werden. Es wäre verarmt und verdorrt, wenn über dem Blühen nur eines Zweites die ganze Buntheit verloren ginge. Uns

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