Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1917-1918
- Issue
- Heft 11 (10.3.1918)
- Article
- Zur Begründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-03-10
- Page
- Seite 259 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2908689-2908714-2908724-2910689--1520-2910725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
259 ihrer Kinder in der Höhe des Akademiesoldes ein angemessenes Gehalt auszuwirken. Und durch die Summierung dieser beiden Besoldungen wird der junge jüdische Gelehrte für den Beginn seiner wissenschaftlichen Wirksamkeit einen gesicherten Lebensunterhalt erwarten dürfen, der hinter dem des öffentlichen wissenschaftlichen Oberlehrers nicht zurückstehen dürfte. Der wissenschaftliche Betrieb aber wird durch die Verbindung mit der Lehrtätigkeit in keiner Weise gefährdet. Denn diese Religions- Oberlehrer werden sich ebenso in einem beständigen Ortswechsel bewegen können, wie überhaupt in einem Personenwechsel, für den die Art und der Umfang der von den einzelnen übernommenen wissenschaftlichen Aufgabe, wie der jeweilige Stand von deren Bearbeitung maßgebend sein wird. In dürrem Umriß haben wir hier das Bild der Akademie im Verhältnis zur Wissenschaft und zur Bildung, sowie zur Berufsstatistik zu entwerfen versucht. Möchten Sachverständnis und guter Wille diese Striche zu einem Idealbilde unserer religiösen Zukunft ausgestalten. „Zeit ist's". Dieses Psalmenwort gilt es zu beherzigen. Es darf nicht länger gesäumt werden, an der rechten Stelle, im Mittelpunkt unserer gesamten Kulturlage das Hilfswerk anzusetzen. Wir dürfen nicht ausschließlich unsere Fürsorge auf die sozialen Nöte unserer Glaubensgenossen lenken. Wir dürfen auch an unserem Geiste nicht krank und nicht siech werden. Das jüdische Herz muß stärker als bisher in Mitleid schlagen für den jüdischen Geist. Unsere Mildtätigkeit muß Großmut werden für die Erhaltung, für die Verjüngung unserer Wissenschaft, für die Verbreitung und Vertiefung des Eifers um die Erforschung unserer heiligen Literatur und unserer ehrwürdigen Geschichte in deren ganzem Kulturumfang. Ist sie doch das älteste und immer zugleich das jüngste Glied der Kulturgeschichte der Menschheit. Bevor wir dieses geistige Bollwerk unseres Fortbestandes errichtet haben, werden wir uns gegen alle Anfechtungen und Verführungen nicht ausgerüstet haben. Denn wir dürfen uns darüber nicht hinwegtäuschen, daß für den Abfall vieler von uns die vollständige Unkenntnis des Geistes des Judentums und seiner Bedeutung für uns und für die allgemeine Kultur nicht unwesentlich mitverantwortlich ist. Möge „der Stern von Jakob" über dem Unternehmen der Akademie walten! Zur Regierungserklärung Von Prof. Dr. Franz Oppen heimer, Berlin ie offizielle „Deutsche Warschauer Zeitung4' brachte in ihrer Nummer 22 vom 23. Januard. J. folgendes Entrefilet: „Die Juden in Polen. Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherr .von dem Bussche, hatte sich vor einiger Zeit gegenüber zwei zionistischen Führern und den Vorstandsmitgliedern des ^Komitees für den Osten4 über die