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Neue jüdische Monatshefte · 1918-03-10 · Heft 11 (10.3.1918) · p. Seite 254

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1917-1918
Issue
Heft 11 (10.3.1918)
Article
Ukraina
Date
1918-03-10
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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254 ebensowenig als in Galizien. In Galizien hat die polnische Machtgier eine enge und herzliche Gemeinschaft zwischen Juden und Ukrainern geschmiedet. Sich selbst werden es die Polen zuzuschreiben haben, wenn bei einer Volksentscheidung im Cholmer Land.die Juden dieses Gebiets — 15 Prozent der Gesamtbovülkerung, in einzelnen wichtigen Kreisen jedoch bis zu 27 Prozent steigend! — vor allem darum bedacht sein werden, die Aussichten für ihre Wiederauslieferung an den polnischen Gerechtigkeitssinn nach Kräften herabzumindern. In einer vielbemerkten Rede hat Staatssekretär Dr. Solf in diesen Tagen den richtigen Gedanken angeregt, man solle bei der Woiterverteilung des Kolonialbesitzes die sittliche Befähigung zur Herrschaft berücksichtigen. Auch auf europäischem Boden wäre bei Gelegenheit die Erbringung eines derartigen Befähigungsnachweises von Vorteil. Es würde dann kaum ein Zweifel darüber entstehen, ob das überwiegend ukrainische Land den Segnungen polnischer Rechtlichkeit ausgeliefert oder einem Volke zuerkannt wird, das in Freiheit geboren Freiheit mit vollen Händen gewährt. Zur Begründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums toter allen Wandlungen, welche die religiös-kulturelle Verfassung des Judentums seit etwa hundert"Jahren erfahren hat, ist keine tU^S^vb so frappant wie die Verminderung oder gar das Verschwinden der jüdischen Gelehrsamkeit unter den modernen Juden. Es war ja ein soziologisch sehr interessanter Ausnahmezustand, der das ganze Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit herrschend war, daß fast in jeder kleinsten Gemeinde sich Männer fanden, die als Handelsleute doch zugleich die volle Befähigung zur Verwaltung des Rabbineramtes besaßen. Dieser so überaus charakteristische Zustand mußte aufhören, als den Juden die vielseitigen Aufgaben der modernen Kultur sieh erschlossen und sie, sei es den gelehrten Berufen, sei es den eine erhöhte allgemeine Bildung erfordernden Industrie- und Handelszweigen, sich hingaben. Zunächst freilich trat für diesen Notstand dadurch eine Aushilfe ein, daß der moderne Rabbiner ganz unwillkürlich zum Vertreter der modernen Wissenschaft an seiner Religion, ihrer Literatur und Geschichteheranwuchs. So entstand die bedeutsame Tatsache, daß vom deutschen Rabbiner die Wissenschaft des Judentums geschaffen wurde: die Wissenschaft auf Grund der methodischen Philologie und Geschichtsforschung, während die Talmudstudien, wie sie bis dahin betrieben wurden, dieser modernen methodischen Hilfsmittel entbehrten. Durch diese Schöpfung (der jüdischen Wissenschaft erhob sich der deutsche Rabbinerstand zu einer geistigen Höhe, welche einen gewissen. Von Hermann Cohen

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